Delitzsch
Alle durchzählen: Inventur im Tiergarten
Julia Wick
Foto: Julia Wick
Wie viele Pfauen haben sich hier versteckt? Sechs zählt das junge Leipziger Paar.
Delitzsch. Die Kulisse hätte schöner nicht sein können. Der Delitzscher Tiergarten glich am vergangenen Sonnabend durch und durch einem Winterzauberwald. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, Wege und Sträucher mit Schnee bedeckt und die Äste der Bäume von weißem Frost überzogen. Das perfekte Wetter für einen winterlichen Spaziergang. Doch unter diesen Witterungsbedingungen eine
Tierinventur durchzuführen, gestaltete sich für Besucher und das Personal etwas schwieriger.
Rote Nase und Ohren, gefrorene Hände und die Jacke mit Schnee bedeckt. „Herrlich das Wetter, die Luft ist so klar und die Sonne scheint so schön“, erklärten Stefan Brückner und Juliane Schaaf aus Leipzig, während sie den Schnee an ihren Schuhen auf der Türschwelle abklopften, um ins Haupthaus des Tiergartens einzutreten. Zuvor war das Paar eine große Runde gelaufen und hatte Tiere gezählt. „Das hat echt Spaß gemacht und es war relativ einfach, weil gar nicht so viele zu sehen waren“, lachte die 22-Jährige.
Dennoch habe sich der Besuch durchaus gelohnt. Freund Stefan, der an keinem Tierpark und Zoo vorbeigehen kann, hat den Tiergarten der Kreisstadt bereits vor einem Jahr für sich entdeckt. „Es ist wirklich schön hier, zwar nicht so groß, aber die Auswahl an Tieren ist dennoch vielfältig und interessant. Außerdem stimmt der Preis und es ist nicht so überfüllt wie beispielsweise der Leipziger Zoo.“
Doch genau wie der große Nachbar ist auch der Delitzscher Tiergarten ein Unternehmen und will in den ersten Monaten des Jahres sein „Inventar“ zählen. Der in der Nacht zu Sonnabend gefallene Schnee gestaltete die Sache allerdings etwas schwieriger. Nicht nur, dass das Schauen durch manche Gehege schwierig war, weil die Gitter von Eis und Schnee angezogen waren. Aufgrund des extremen Frostes musste das Personal einige Gehege komplett winterdicht verschließen. „Bei den Flamingos und Hängebauchschweinen haben wir beispielsweise die Fenster mit Holz und anderen Verkleidungen abdichten müssen“, erklärte Leiterin Katrin Ernst. Außerdem wird es auch in manchen Ställen eng, denn zumindest über Nacht teilen sich unter anderem Ponys und Esel ein Quartier. „Auf diese Weise können sie sich schön gegenseitig wärmen!“
Im Grunde findet eine Inventur der Tiere das ganze Jahr über statt. Alle Säugetiere sind „gechipt“ und die Vögel tragen einen Ring um den Fuß. Die darauf verzeichneten Nummern sind mit allen Informationen rund ums jeweilige Tier in einer Art Kartei gespeichert. Diese exakte Dokumentation sei aufgrund des häufigen Kommens und Gehens im Tiergarten wichtig, so Ernst. Im Gegensatz zu anderen Inventuren, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, wollte der Tiergarten Hilfe seiner Besucher. „Die Idee ist, dass der Mensch wieder eine andere Beziehung zum Tier aufbaut. Uns ist wichtig, dass die Besucher die Tiere richtig wahrnehmen“, verriet Silke Frenzel, die seit Dezember das Team des Tiergartens als Bufdi verstärkt.
© LVZ-Online, 05.02.2012, 16:58 Uhr