Delitzsch. Organisierter Einsatz gegen innerstädtische Tretminen: Rund ein halbes Dutzend Hundebesitzer haben gestern gemeinsam mit Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) Teile der Wallgrabenpromenade von „Tretminen“ befreit. Die Aktion sollte ein Signal an alle Herrchen und Frauchen in der Stadt sein, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht einfach liegenzulassen. Initiator Udo Laass erfuhr allerdings auch Ablehnung, als er nach Mitstreitern suchte.
Laass ist seit 15 Jahren Hundebesitzer. Jeden Tag ist der 50-Jährige mit seinem Husky-Schäferhund-Mischling am Wallgraben unterwegs, genießt seine Lieblingsstrecke – und ärgert sich zugleich über die Kothaufen am Wegesrand. „Man muss sich stellenweise als Hundebesitzer schämen, wenn man hier langläuft“, sagte er. „Gelegentlich habe ich schon Halter angesprochen, wenn sie die Fäkalien nicht weggeräumt haben. Dann bekam ich zur Antwort: Wir bezahlen doch Hundesteuer.“
In der Hoffnung, doch noch Einsicht zu ernten, organisierte der Delitzscher nun gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine „Aktion gegen Hundekot“. Mit reichlich Beuteln ausgestattet, zogen Laass und seine Mitstreiter vom Rosengarten zum Halleschen Turm. Zwar hatte sich der Initiator mehr Beteiligung gewünscht – mehrere, die kommen wollten, erschienen nicht. „Aber ich bin trotzdem zufrieden.“
Immerhin packte auch der Oberbürgermeister fleißig mit an, obwohl er daheim nur Fische hält. „Ich bin selbst als Jogger auf der Promenade unterwegs und möchte gern dieses Engagement unterstützen“, erklärte Manfred Wilde.
Doch das Stadtoberhaupt kam nicht nur zum Aufräumen, sondern auch als Ansprechpartner. Schnell kam gestern das Gespräch auf die einst vielerorts montierten Hundetoiletten, die nun verwaist oder wieder abgebaut sind. „Mehr Behälter wären schön. Wer läuft schon gern mit seinem Tütchen quer durch die Stadt?“, bemerkte Martina Ermisch vom Hundesportverein Delitzsch. Tierpsychologin Sabrina Pache sieht das ähnlich. „Die Hundebesitzer können ja nichts dafür, dass die Hundetoiletten von Randalierern zerstört wurden. Es reichen schon ein paar mehr Abfallbehälter, die Tütchen kann jeder selbst mitbringen.“
Etwas zu tun gegen das Pauschal-Image des Wegeverschmutzers, darum ging es gestern auch Sabrina Pache. Sie weiß aus Berufserfahrung: Oftmals müssen nicht die Tiere, sondern die Halter erzogen werden. Ob allerdings die Haufenzahl am Wallgraben um
30 Prozent zurückgeht, wie Udo Laass es sich wünscht, bleibt abzuwarten.