Delitzsch
Musical „Next!“ feiert in Delitzscher Akademie Premiere
Julia Wick
Foto: Julia Wick
Vier Musical-Studentinnen zeigen auf der Bühne, wie schwer der Weg dorthin ist: Claudia Götz, Anouk Plattner, Susann Pätzold, Christin Rettig (von links).
Delitzsch. Ein entnervter junger Mann stürmt in den Raum und brüllt ins Telefon. Er ist gestresst – weil dem Anschein nach niemand außer ihm „klar mitdenkt“. Deshalb wird auch er allein die Entscheidung fällen, wie viele und welche der Bewerberinnen in seiner Musical-Produktion mitwirken dürfen. Eine Entscheidung, die ihm lästig zu sein scheint, bei der es für die Kandidatinnen aber um Träume und Chancen geht. Die Szenerie ist nur gespielt, und doch steckt in ihr so viel Wahrheit. Die Geschichte des Musicals „Next!“, das am Samstagabend Premiere in der Akademie der Darstellenden Künste feierte, ist Alltag im Showbusiness.
Während der entnervte Produzent Gunther Brehmer (gespielt von Musical-Student Martin Stephan) immer noch telefoniert, wiegelt er die Bitte des Klavierspielers, die Heizung aufzudrehen, eiskalt ab. Er solle sich warm spielen und die Kandidatinnen endlich eintreten. Was folgt, ist eine Odyssee. Eine Prüfung nach der anderen müssen die vier Anwärterinnen bestehen: Tanzen, Singen, Schauspielern und das jeden Tag von früh bis spät. Hinzu kommen die privaten Einschränkungen: „Essen nach Diätplan und Liebe nach dem Kalender“, beklagen die jungen Frauen, die dennoch von der großen Bühne träumen. Sie sollen sich präsentieren, zeigen wer sie wirklich sind. Dazu muss sowohl Produzent Brehmer als auch das Publikum in die Persönlichkeit des Darstellers blicken können. Doch ihr Innerstes preiszugeben, damit hat jede der vier Frauen so ihre Probleme: die Spanierin Madeleine Gonzales Lorca (gespielt von Musical-Studentin Anouk Plattner), die es nur so gibt, wie sie ist; Carmen Frey (Claudia Götz), junge Mutter und vom Vater sitzen gelassen; Katharina Blanche (Christin Rettig), die erfindet, dass ihre Mutter gerade gestorben ist und zum Zeitpunkt des Castings beerdigt wird, um nicht über ihre Kindheit als Vollwaise reden zu müssen; Isabell Marie Arnim (Susann Pätzold), die unter Tränen gesteht, sich schuldig am Suizid ihres Vaters zu fühlen.
Sie alle haben Talent, doch trotz aller Bemühungen lässt Brehmer sie immer wieder auflaufen: Er telefoniert, schaut gelangweilt oder geht einfach. Alles Dinge, die den angehenden Studentinnen tatsächlich im späteren Berufsleben wiederfahren können. „Deshalb habe ich wirklich größten Respekt vor ihnen. Auf was die sich da einlassen, ist wirklich nicht ohne“, erkennt Hendrik Duryn die Leistung seiner Schüler an. Insgesamt fünf Wochen arbeitete der Schauspieler mit den angehenden Musicalprofis der Delitzscher Akademie an „Next!“. Und schon vor dem Stück machte er dem Publikum deutlich, dass der Aufruf „des Nächsten“, bezogen auf das Leben als Musicaldarsteller, das Aus für einen selbst ist. In diesem Sinne war der Samstagabend für die fünf Darsteller auf der einen Seite tatsächlich eine Premiere, auf der anderen Seite aber doch nur die Generalprobe für ihr Leben als Bühnenakteure.
Wer es im Stück tatsächlich schafft, den Job zu ergattern, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Am 14. und 15. Februar um 19 Uhr stehen im Oberen Bahnhof weitere Aufführungen an und damit die Chance, das Ende zu erfahren.
© LVZ-Online, 29.01.2012, 19:45 Uhr