Delitzsch
ZKV steuert auf Jubiläum zu
Maria Sandig
Foto: Maria Sandig
Gehen für den Fasching auf die Knie: Die Funken des ZKV.
Zwochau. Mit einem dreifachen „Zwochau Helau“, einer Menge Applaus und einem prall gefüllten Saal kamen am Sonnabend Narren und Närrinnen beim Zwochauer Fasching auf ihre Kosten. Mit dem etwas verspäteten Einmarsch der Funkengarde konnte das Spektakel beginnen, in alter Tradition wurde der nicht ganz vollständige Elferrat vorgestellt: mit einem wohlgesonnenen Helau begrüßten die Minister der Kussfreiheit, Sauferei und der schwingenden Beine Feen, Hexen, Clowns und Panzerknacker.
Die Besucher des Faschings konnten bei einem kühlen Bier eine Mischung aus Sketchen, Tanz und Gesang im Saal der Gaststätte Zur Kugel verfolgen. Die kleinen Fünkchen interpretierten nach dem Funkentanz das Lied „Hänschen klein“ ganz neu, bei dem der Hauptakteur auf einen Mini-Rapper mit Breakdance-Einlage, einen Rasta-Mann und eine Rockband traf.
Mit einer Parodie auf die Fernsehshow „Das Dschungelcamp“ stimmten die Zwochauer Singvögel ihre wahrhaften Goldkehlen ein, bei der sie (Ex)-Bundespräsidenten, Bundeskanzlerin und Plagiatsmeister Guttenberg auf die Schippe nahmen. Josef Burgmeister, alias Hausmeister Zumpe, bewies, dass man auch ohne viel Tamtam beim Publikum punkten kann: mit witzigen Anekdoten und Geschichten begeisterte er die Masse, ohne sich zu verrenken oder sein Gesangstalent darzulegen.
Das Highlight im Faschingsdorf stellte aber das Männerballett dar, das die Halle mit Aerobiceinlagen zum Song „Call on me“ zum Kochen brachte. Für die Zugabe hatten die vier leichtbekleideten „Grazien“ eine besondere Einlage in der Hinterhand: der ein oder andere Besucher bekam einen kurzen Lapdance geboten und die Gruppe zeigte, dass sie den Funkenmariechen in Sachen Beweglichkeit in nichts nachstehen.
Das hinter dem lustigen und abwechslungsreichen Programm viel Arbeit und eine langwierige Planung steckt, konnte vor allem der Vereinsvorsitzende Frank Lüders bestätigen: „Alle Mitglieder, ob jung oder alt, investieren ihre Freizeit und üben das ganze Jahr, um an zwei Tagen das Publikum zu begeistern.“ Da noch in diesem Jahr mit dem 30. Geburtstag des Zwochauer Karnevalsvereins (ZKV) ein Jubiläum ansteht, schwelgte der 51-Jährige in alten Faschingserinnerungen. Schöne Momente und große Veränderungen zeichneten die Zeit seit der Gründung 1982 aus: Wo früher Büttenreden vom Kultusministerium abgesegnet werden mussten und man keinerlei Möglichkeiten hatte, den ein oder anderen Politiker zum Narren zu halten, hat man heute die Wahl, ob man Plagiatsvorwürfe oder Euro-Rettungsschirm zum Thema macht.
Da der Faschingsverein seit den letzten Jahren mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hat, sind die Vereinsmitglieder froh, dass sie durchgehalten haben und nach wie vor zwei Veranstaltungen in der Faschingssaison aufziehen können. „Das Publikum ist in den Jahren anspruchsvoller geworden. Bietet man ihnen eine einwandfreie Show, dann kommen sie auch wieder. Jedoch ist es sehr schwer, bei halbjährlich wechselnden Programmen ständig neue Ideen zu haben. Der Erfolgsdruck wächst und wir haben zu tun, dass der Saal voll wird.“ Mit 170 verkauften Karten könnte der Verein, welcher ausschließlich durch Eintrittsgelder getragen wird, in diesem Jahr jedoch aufatmen. Die Zwochauer Erika und Dieter Baumeister, als Indianerfrau und Neandertaler verkleidet, sind vom Fasching in Zwochau überzeugt: „Wir kommen schon seit Bestehen des Vereins her. Es macht immer wieder Spaß und stellt eine willkommene und bunte Alternative zum Alltag dar – andere Faschingsveranstaltungen sind vielleicht größer, aber wir fühlen uns in unserem Zwochau wohl.“
Für die kommende Zeit steht für den ZKV noch einiges in Planung: der 30. Geburtstag im November und aktuell ein Radio-Wettbewerb, bei dem sich die Funkenmariechen als „Sachsens beste Funkengarde“ beweisen müssen. Die Tänzerinnen um Stefanie Eschert blicken dem Tag der Entscheidung optimistisch und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein entgegen: „Wir rechnen uns großen Chancen aus“, erzählte die 22-jährige. Auch Vereinschef Lüders zog ein positives Resümee: „Für uns hat es höchste Priorität, dass unser Programm dem Publikum gefällt, denn nur so kann unser Verein weiterhin existieren.“ Dem Applaus nach zu urteilen, ist es dem Karnevalsverein mehr als gelungen.
© LVZ-Online, 19.02.2012, 16:16 Uhr