Eilenburg
Lebenshilfe saniert und baut aus
Heike Liesaus
Foto: Heike Liesaus
Das Haus in der Bahnhofsstraße wird saniert.
Eilenburg. Bisher präsentiert sich das Haus des Lebenshilfe-Vereins in der Eilenburger Bahnhofstraße äußerlich nicht besonders anziehend. Dem Gebäude ist anzusehen, dass es zu DDR-Zeiten als Wehrkreiskommando diente: grauer Putz über glatten Wänden. Das aber soll anders werden: „Wir haben das Haus gekauft und wollen es sanieren", erklärt Sylke Winkler strahlend. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins und der gleichnamigen gemeinnützigen GmbH. Im Frühjahr soll es losgehen und Sylke Winkler ist, auch, wenn die Farbwahl nicht endgültig entschieden wurde, schon heute sicher: „Das wird ein Hingucker. Auf alle Fälle freundlich." Doch es geht nicht vorrangig um die Optik. „Bisher ist das Haus nicht behindertengerecht. Nur die untere Etage ist für Rollstuhlfahrer notdürftig über einen Außenlift erreichbar und es gibt viele Türschwellen." Zudem herrschen beengte Bedingungen. Deshalb sollen auch das Dachgeschoss ausgebaut und der Keller trocken gelegt werden. Wände werden versetzt. Das gibt mehr und größere Räume zum Beispiel für Ergotherapie und Sport. Insgesamt stehen dann 1400 Quadratmeter zur Verfügung. Fast doppelt so viel wie
bisher. Das Nebengebäude, in dem sich eine Wohnung befindet, die ehemalige Eigentümer nutzten, wenn sie Eilenburg besuchten, wird abgerissen. Garagen sollen zu Unterstellmöglichkeiten für Rollstühle und Kinderwagen werden. Auch ein neues Heizsystem und Sanitäreinrichtungen gehören zu den Umbauplänen, ebenso wie eine kleine Wohneinheit für die Urlaubs- und Verhinderungspflege.Das Gebäude wird entkernt. Zwar gab es die Idee, während der Sanierung den Betrieb in der Bahnhofstraße 25 aufrechtzuerhalten. Aber die ist verworfen. Die Gründe: höhere Kosten, längere Bauzeit. Derzeit laufen deshalb Verhandlungen mit der Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft über eine Zwischenlösung. Im ehemaligen Ilburg-Hotel in der Puschkinstraße sind zum Beispiel Räume frei. 370 000 Euro waren für den Kauf aufzubringen. 1,5 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Zum einen kann die Lebenshilfe auf Spendengeld, Mitgliedsbeiträge, ihr vom Amtsgericht zugesprochene Bußgelder sowie auf Sponsoren-Gelder zurückgreifen. Zudem wurde auch ein Darlehen aufgenommen, erklärt Sylke Winkler zum Finanzierungs-Mix. „Wir mussten vorher auch Miete zahlen." Die ehemalige Villa stammt zwar aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, erhielt aber irgendwann den langgestreckten Büroanbau. Sie steht nicht unter Denkmalschutz.Die Geschäftsführerin und ihre Mitstreiter sind sicher: Der Bedarf für das Zentrum ist da. Zwar werden weniger Kinder geboren, also auch weniger behinderte. „Betroffenen Eltern ist heute bewusster, dass Entlastung für sie und die Förderung der Kinder möglich sind und dass sie ihnen auch zustehen", berichtet Sylke Winkler. Immer öfter aber würden andererseits auch Entwicklungsauffälligkeiten beobachtet, die eher auf die Lebensumstände zurückzuführen sind:
Mädchen und Jungen, die schlecht sprechen, sich schlecht konzentrieren können.
© LVZ-Online, 30.01.2012, 16:45 Uhr