Eilenburg
Nachruf für eine Pflaumen-Allee
Karin Rieck
Foto: Privat
Kahlschlag bei Rödgen. Von über 100 sind nur noch acht Bäume da.
Eilenburg/Rödgen. Der Eilenburger Marco Sombrowski hat einen Nachruf verfasst. Für die Pflaumenbaumallee, die es vor Jahren noch an der Kreisstraße zwischen Eilenburg und Rödgen in der Nachbargemeinde Zschepplin gab: „Einst führtest du uns den Weg von Eilenburg nach Rödgen. Du hast uns im Frühjahr mit deinen Blüten imponiert und im Sommer deine herrlichen Früchte geschenkt. Wie im Schlaraffenland. Du hast die Autoabgase aufgenommen und uns Luft zum atmen gegeben. Hast uns Schatten gespendet und im Sommer die Luft gekühlt, dem intensiven Ackerbau getrotzt. Ja, ihm sogar Humus geschenkt, die Bodenlebewesen gefördert und vor Wind geschützt! Die Luftfeuchtigkeit, den Wasserhaushalt und sogar das Klima reguliert. Hast gefährdeten Tierarten einen Lebens- und Schutzraum gegeben. Doch geschätzt wurde nur dein sterbendes Holz in der Flamme Glut. Jahr für Jahr ging ein weiterer Teil von dir durch Säge und Schredder. Mehr als 140 Gewächse begleiteten einst die Fahrbahnspur – nun steht nur noch ein kümmerlicher Rest von dir allein auf freier Flur. Wir möchten dich wieder haben und uns am frischen Grün gern laben. Doch hängt das Glück bei Amt, Eigentum und Verkehr, der zulässt keine Pflanzung mehr. So bleibt uns nur der Blick aufs Feld, für Radler nicht die schönste Welt." Bereits im Herbst 2010 wies der Landschaftpflegeverband (LPV) Nordwestsachsen darauf hin, dass laut seinen Schätzungen im Landkreis Nordsachsen Flächen für mehrere tausend Bäume fehlen würden, die als Ersatzpflanzungen vorgesehen sind. Veronika Leißner vom LPV vermisste in diesem Zusammenhang stärkere Aktivitäten vonseiten der Politik. Gesetzlich sei zwar festgelegt, dass Ersatzpflanzungen, zum Beispiel im Zuge von notwendigen Baumfällungen bei Bauprojekten, in der Nähe erfolgen müssten. Doch geeignete Standorte gebe es meistens nicht oder seien nur schwer zu finden. Wünschenswert wäre zudem, so Leißner, wenn Privatleute Initiative zeigen würden und Flächen bereitstellen könnten. Als Beispiel in der Eilenburger Region wurde schon vor fast eineinhalb Jahren die Straße zwischen Rödgen und Eilenburg genannt, an der mal 50 Pflaumenbäume standen, zwischen Naundorf und Rödgen weitere 50 Birnbäume. „Von denen sind nur noch acht vorhanden." Mit den Fällaktionen würden Vielfalt und ein Stück Kulturlandschaft verloren gehen, bedauerte sie. Eine Anfrage diesbezüglich an das Straßenbauamt des Landkreises läuft. Eine Antwort, wie weiterhin verfahren wird, folgt demnächst.
© LVZ-Online, 19.04.2012, 10:08 Uhr