Eilenburg. Das bleibt ein Leben lang haften. Sabine Schulz spricht den Satz leise, fast bedächtig am Telefon. Der Leipzigerin macht noch heute zu schaffen, was sie Ende der 1960er-Jahre im damaligen Ernst-Schneller-Heim in Eilenburg erlebte. Sie fasste Mut, dies zu erzählen, nachdem Michael Kirchheim in der Leipziger Volkszeitung am Mittwoch das Geschehen ans Tageslicht brachte.
In der Einrichtung am Stadtrand von Eilenburg sollen Kinder sexuell misshandelt worden sein. Das zumindest behauptet Kirchheim, der von 1973 bis 1978 in diesem Heim für sogenannte erziehungsauffällige Kinder lebte. Auch der Jugendwerkhof war auf diesem Areal untergebracht. Die Geschichte des Leipzigers hat eine Welle von Reaktionen ausgelöst. Ehemalige Bewohner bestätigen die Vorwürfe, aber nicht alle. Kirchheim berichtete davon, dass in den Jahren 1970 bis 1980 täglich Übergriffe auf Kinder und Jugendliche im Heim erfolgten. „Die Kinder mussten mehrmals täglich sexuelle Belästigungen über sich ergehen lassen. Sie mussten sich zum Beispiel nackt ausziehen und zum Duschraum laufen. Dabei wurden Einzelne geschlagen, einige im Intimbereich berührt“.
ärbel Müller hat sexuelle Übergriffe nicht erlebt, wohl aber „körperliche Misshandlungen.“ Schläge und Kopfnüsse seien an der Tagesordnung gewesen, so die 54-Jährige, die heute in Thüringen lebt. Wer nicht spurte, „musste Stunden in dunklen Kellerräumen verbringen.“ 16 Jahre alt sei sie gewesen, als ins Heim kam. „Das war zur Weihnachtszeit und für mich schlimm.“ Deshalb sei sie auch mit einer Freundin am Weihnachtstag ausgerissen, wurde aber am Hauptbahnhof in Leipzig aufgegriffen. Als sie zurückkamen, wurden ihnen die Haare abgeschnitten und sie mussten 14 Tage lang mit einer blauen Arbeitskleidung umherlaufen.
Es gibt aber auch völlig
gegenteilige Aussagen zu den Missbrauchsvorwürfen in Eilenburg
, die wir zusammen gestellt haben.