Man könnte annehmen, beim ECC sind alle entspannt, als hätten sie Tage in der Sauna zugebracht, statt mit Proben.
Den hatten Holland und Gürke aber auch nicht nötig, den ECC-Karneval musste man sich nicht schön saufen. Denn das Programm lief wie am Schnürchen. Zwar spann der Computer eingangs etwas herum, als die Gardemädchen aufliefen, aber das überspielte das Moderatoren-Duo gekonnt. Profis eben.
Und Profis sind auch die übrigen etwa 25 Frauen und Männer, die auf der Bühne zu sehen waren. Ob Lisa Maurer und Mike Tiegel, das ECC-Tanzpaar, das sich mit ihrem Auftritt Respekt beim Publikum verschaffte. Oder ein Axel Sylvester, Jungspund und irgendwie Alleskönner, der einerseits so was von schnell die Hüften schwingen kann, als er mit seinen Kumpels Eric und Mike den ECC-Dance 3.0 zelebrierte – eine Aufeinanderfolge von etlichen Liederausschnitten, zu denen sie tanzten. Aber auch mit seiner Solo-Comedy-Einlage punktete der 23-jährige Lehramtsstudent, als er über „Rentenuschi" Ursula von der Leyen philosophierte oder Bob, dem Baumeister und eigentlichen Erfinder des geschichtsträchtigen Satzes: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen."
Auch der „Sachsen-Peter" alias Peter Murch, der Mann in der Bütt, hielt nicht hinterm Berg und nahm vor allem die Politik aufs Korn. „Die Künast von den Grünen sieht so aus, wie sie spricht – abgefressen. Liebe Renate, sende mir ein Bild von dir, das hänge ich mir an die Kellertür, damit es auch die Retten seh’n und nicht mehr in den Keller geh’n", dichtete er hingebungsvoll.
So, wie die ECC-Künstler immer mehr zu Höchstformen aufliefen, steigerte sich auch die Stimmung in den Publikumsreihen. Das Partyvolk schunkelte, sang und wippte mit, wie es gerade passte. Eine Polonaise schlängelte sich durchs Bürgerhaus und die Feuerzeuge zeigten Flamme, als Michael Holland als Oma bei „DSGS – Deutschland sucht den Grauen Star" Leonard Cohens „Halleluja" zum Besten gab. Und auch staunende Blicke gab es immer wieder in Richtung Bühne. Denn was auffällig war: Bei den ECC-Freunden stimmte nicht nur das peppige, kurzweilige Programm als solches, sondern auch das ganze drumherum: Aufwändig gestaltete Kostüme und originelle Bühnenbilder waren echte Hingucker, besonders der Tanz zum Hit „Somebody That I Used to Know" des belgischen Sängers Gotye. Das überzeugte nicht nur das junge Publikum am ende, das diesmal zahlenmäßig gut vertreten war. Um den Nachwuchs muss sich der ECC also keine Sorgen machen – weder in den eigenen Reihen, wenn man auf die Garde blickt, noch in Sachen Publikum.
Und wer Sonnabend nicht da war, hat zweifelsohne etwas verpasst. Nächste Chance für bislang Unentschlossene, das ECC-Programm zu erleben, ist am Donnerstag beim Weiberfasching und am Sonnabend bei der zweiten Abendveranstaltung.