Frohburg. „Wir sind gut beraten, uns nicht zu sehr mit der großen Politik zu beschäftigen. Konzentrieren wir uns auf das, was wir hier vor Ort lösen können, wenn wir gemeinsam überlegt und engagiert an einem Strang ziehen.“ Mit diesen Worten beendete Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) am Donnerstagabend seine (40 Minuten währenden) eröffnenden Worte zum Neujahrsempfang der Stadt. Frohburg kann dabei durchaus optimistisch ins neue Jahr gehen.
Denn 2011 lief viel besser als prognostiziert. Die Rücklage im städtischen Haushalt betrug am Jahresende über 1,5 Millionen Euro, mehr als das Doppelte des geplanten Betrags. Und das, obwohl zusätzlich sogar für über eine Million Euro investiert wurde. Da konnten unter anderem eine neue Kinderkrippe in Prießnitz eingeweiht und der dortige Rittergutskomplex schon wesentlich attraktiver gestaltet werden, wurden das Kellergeschoss der Grundschule Frohburg umgestaltet und saniert, erhielt die örtliche Freiwillige Feuerwehr das lang ersehnte Kombinationslöschfahrzeug... Als wichtige Faktoren dieser erfreulichen Entwicklung sah Hiensch an, dass es – trotz gewaltigen Aufwandes für die Rathauscrew – gelungen sei, alle Fördermittelprogramme optimal zu nutzen. „Nicht ein einziger Antrag wurde abgelehnt“, bekundete er. Aber wichtig war auch: „Wir haben das Richtige zum richtigen Zeitpunkt getan. Das hat sich bewährt.“
Dennoch machte das Stadtoberhaupt auch um die negativen Dinge keinen Bogen, stellte sie sogar vor das Erfreuliche. Dazu zählt für ihn das ungelöste Problem, dass eine Stützmauer und Einfamilienhäuser in der Bergstraße Frohburgs abzurutschen drohen und auch nach einem Jahr keine Lösung in Sicht, die Sache nur ein Gerichtsfall sei. Sehr verwerflich seien die Brandstiftung in der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte, Einbrüche und Vandalismus in kommunalen Einrichtungen gewesen. Leider verstarben auch ehrenamtlich sehr aktive Leute – ob Willi Schulz, Herbert Bauer oder Annelies Freiberg –, was bei allem Positiven traurig stimme.
Auf 2012 dürfe man gespannt sein, weil die Einführung der doppischen Haushaltsführung in der Kommune ab 1. Januar manche Unwägbarkeiten mit sich bringe. Fest stehe, dass auf jeden Fall die begonnenen Investitionen beendet würden – ob der Umbau des Brauhauses zu Bibliothek und Archiv, die Straßen- und Brückenbauarbeiten in Nenkersdorf und Tautenhain, der Umbau des ehemaligen Konsums zum Vereinshaus in Frankenhain oder die Erneuerung der Straßenbeleuchtung in Niederfankenhain und Frauendorf.
Dennoch stellte Hiensch nachdrücklich klar: Nicht alle Träume und Wünsche der Bürger würden sich erfüllen lassen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zeiten von Wachstum und Expansion in ländlichen Regionen passé sind, wir durch Schrumpfung und Konzentration auf wirtschaftlich Vertretbares setzen müssen. Es muss langfristig ein Bedarf vorhanden sein. Die kommunale Infrastruktur muss sich anpassen“, gab er als Richtmesser aus. So sei es beispielsweise völlig unrealistisch, dass jeder Ortsteil ein Gemeindezentrum haben müsse. Auch habe die Kommune nicht die Kraft, etwa alle in ihrem Eigentum befindlichen Gebäude sanieren zu können.
Dennoch solle etwas für die Zukunft der Stadt und ihrer Ortsteile getan werden, vor allem, um die Bedürfnisse junger Leute zu erfüllen, denn „die müssen gern hier wohnen wollen“. Deshalb auch müsse und werde man sich vor allem darauf konzentrieren, die Kindereinrichtungen noch attraktiver zu machen, die Wohnqualität und das Umfeld dazu zu verbessern.
Allerdings sei zu Bangemachen kein Anlass. „Es gibt keinen Grund, zu sehr zu klagen“, so Hiensch‘ kurzes Schlusswort, nachdem zuvor schon Alfred, Tine und Florian von der Schülerband „Die kurzen“ die Anwesenden musikalisch am Xylofon mit Gitarrenbegleitung in Euphorie versetzt hatten.
Zuvor waren die erfolgreichsten Sportler des Jahres gekürt worden. Es sind Turnerin Jill Christopher, Fußballer und Leichtathlet Patrick Thon sowie das Team der F-Jugend-Fußballer des BSV Einheit Frohburg.
Mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Frohburg wurden Sabine Böttcher, die seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte Frohburg hilft, geehrt. Über eine ebensolche Auszeichnung durften sich Annelies Görner, Vorsitzende des Heimatvereins Nenkersdorf/Schönau, und Dietmar Perl, Präsident des BSV Einheit Frohburg, freuen.