Langenleuba-Oberhain. Langenleuba-Oberhain hat sie, Obergräfenhain im Laufe des Jahres wohl auch: die schnellen Internetzugänge via DSL. Dafür sorgt ein junges Unternehmen, das auf Richtfunk setzt, um im ländlichen Raum mit seinen weiteren Wegen Breitband ins Haus zu bringen. Der Aufbau eines Richtfunk-Ortsnetzes begann in Oberhain im vergangenen Jahr. Nun sollen die Nachbarorte an die Reihe kommen.
Windkraftanlagen erzeugen nicht nur Strom. Sie sollen in Obergräfenhain, Niedersteinbach und anderen Orten den schnellen Datenweg ins Internet ebnen. „Über den Windpark Obersteinbach und den bei Obergräfenhain wollen wir in diesem Jahr die umliegenden Dörfer erschließen“, sagt Carsten Weigel, Geschäftsführer der erst 2008 gegründeten Drahtlos GmbH. Im Frühjahr wolle man beide Landmarken mit Verteilern für den Richtfunk bestücken, um von hier aus die Signale in die in den Tälern liegenden Dörfer abzustrahlen. Bei Bedarf werden in den Orten weitere kleine Antennen installiert, um jeden Haushalt, der angeschlossen sein will, zu erreichen. Mehr als zwei Dutzend Dörfer hat das Unternehmen inzwischen mit DSL versorgt, zuletzt auch Langenleuba-Oberhain. Hier ist der Verteiler in der Siedlung am ehemaligen Bahnhof installiert. „Über mehrere Verteilpunkte versorgen wir das kilometerlange Dorf“, sagt Weigel. An die 20 Betriebe und Privatleute nutzten in Oberhain inzwischen dieses Angebot; es werde weiter ausgebaut. In diesem Jahr sollen Obergräfenhain, Niedersteinbach, Wernsdorf und das schon in Thüringen liegende Langenleuba-Niederhain hinzukommen. Die Windräder zu nutzen, reduziere nicht nur Kosten und erspare separate Antennen in der Landschaft, so Weigel: „Bei dem einen oder anderen wird auf diese Weise auch die Akzeptanz der Windräder erhöht.“
„Das System funktioniert stabil und unproblematisch“, sagt Rainer Müllrich, Geschäftsführer der Textildruck Lunzenau GmbH in Langenleuba-Oberhain. Sein Unternehmen befindet sich in der Bahnhofssiedlung, am Giebel sind die Antennen angebracht, die die Signale weiterleiten ins Dorf. „Weil der Umsetzer bei uns steht, waren wir die Ersten, die angeschlossen wurden“, sagt Müllrich: „Vorher mussten wir uns mit einer Satellitenlösung behelfen.“ Die international agierende Textildruckerei ist angewiesen auf einen leistungsfähigen Datenaustausch: Bild- und Druckdateien, Produktfotos und Foto-Freigaben werden heutzutage fast ausschließlich elektronisch abgewickelt. Müllrich: „Jetzt haben wir das 4000er DSL. Im Moment langt’s.“ es brauche aber keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu prognostizieren, dass diese Datenwege in den nächsten Jahren leistungsfähiger werden müssten.
Steuerberater Thomas Haupt muss sich in Niedersteinbach zurzeit noch mit 1000er DSL von der Telekom auskommen. „Wir sind sehr daran interessiert, etwas Schnelleres zu kriegen“, sagt der Geschäftsführer der Berata GmbH. Darauf verzichten zu müssen, „ist schon ein Wettbewerbsnachteil“. Er müsse regelmäßig mit der Unternehmenszentrale und mit dem Rechenzentrum in Nürnberg kommunizieren; das sei derzeit kaum befriedigend möglich. Die Investitionsankündigung der Drahtlos DLS GmbH nimmt er deshalb mit Interesse zur Kenntnis.
„Ein schneller Internetzugang für unsere Unternehmen in den Ortsteilen ist auf jeden Fall ein Standortfaktor“, sagt Manuela Engelhardt von der Peniger Stadtverwaltung. Von der Deutschen Telekom habe man mehrfach Absagen kassiert und das Argument gehört, die Dörfer mit Glasfaserkabeln zu erschließen sei nicht wirtschaftlich. Deshalb habe sich die Kommune an die Drahtlos GmbH gewandt, um das Manko zu beseitigen. Die jetzt angekündigten Ausbaupläne des Unternehmens begrüße man. Auch andere Peniger Ortsteile hätten großes Interesse. Carsten Weigel denkt schon weiter: In einem halben Jahrzehnt will sein Unternehmen DSL 30 000 anbieten können.