Bad Lausick. Seit drei Jahren wachsen die Bäume und Büsche heran, am 28. April wird er offiziell eröffnet: der Phänologische Garten an der Waldmühle im Colditzer Forst. Anders als Botanische Gärten steht das europaweite Netz der Phänologischen im Zeichen der Klimaforschung für die Forstwirtschaft. Temperatur und Niederschläge haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen. Zur Eröffnung lädt der Staatsbetrieb Sachsenforst ein zu einem Waldspaziergang, der über den Waldumbau informiert.
„Gerade in Zeiten, da viel über globale Erwärmung gesprochen wird und wir draußen im Wald erste Veränderungen spüren, ist es wichtig, belastbare Fakten zu haben", sagt Andreas Padberg, der den Sachsenforst-Bezirk Leipzig leitet. Durch die regionalen Erkenntnisse, die der Phänologische Garten liefere, lasse sich die Situation verlässlicher beurteilen, so der Forstdirektor. Mittelfristig profitieren davon Forst- und Landwirtschaft in gleicher Weise.
„Ich habe die phänologischen Phasen im Blick", sagt Revierförster Falkhard Dau. Kein Wunder, wächst der besondere Garten ja unmittelbar vor der Tür seiner Waldmühlen-Försterei. Diese Nähe war auch der Grund, den ursprünglich in Leipzig beheimateten Garten in den Colditzer Forst umzusetzen. Er ist einer von acht in Sachsen und Teil eines Netzes, das sich vom portugiesischen Porto bis ins mazedonische Skopje, von Zürich in der Schweiz bis Tromsö in Nordnorwegen erstreckt. Der Clou: Der genetische Code aller hier gedeihenden Pflanzen ist einheitlich. Jede Art hat denselben Ursprung. „Das erst macht ja die Vergleichbarkeit der Daten möglich", sagt Dau. An der Försterei zwischen Ballendorf und Ebersbach gedeihen drei Dutzend Bäume und Büsche: Stieleiche, Rotbuche, Eberesche, Lärche, Moorbirke, aber auch Johannisbeere, Süßkirsche und Mandel. Gerade im Frühjahr öffnet der Förster Tag für Tag den Zaun, der die Pflanzen vor Wildverbiss schützt, um nach Blütenöffnung und Blattwuchs zu schauen. Später folgen Fruchtbildung, Laubfärbung, Blattabfall. Mit seinen Beobachtungen nach einem Vergleichsschema speist er eine Datenbank. Die Ergebnisse laufen für Sachsen im Kompetenzzentrum Wald- und Forstwirtschaft in Graupa bei Dresden zusammen. Die Erfassung ist mitunter schwerer, als man annimmt: „Bei der Kirsche konnte ich noch nie die exakte Fruchtreife feststellen. Spechte und Stare waren schneller", lacht Dau. Und auch mit Wühlmäusen hat er in diesem Jahr ein Problem. Er stellt Fallen auf, denn er muss die wertvollen Forschungsobjekte schützen.
Die Erkenntnisse über die klimatische Entwicklung, die Sachsenforst auf diese Weise gewinnt, wirken sich unmittelbar etwa auf den Colditzer Forst aus. Denn hier hat der sogenannte Waldumbau, die Umwandlung anfälliger Fichten-Monokulturen in Mischwald, der mit steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit besser zurechtkommt, längst begonnen. Jahr für Jahr bringt allein Dau im Waldmühlen-Revier an die zehn Hektar Laubgehölze in den Boden. Weil der Umbau das Gesicht des Colditzer Forstes binnen weniger Jahrzehnte deutlich verändern wird, lädt Forstdirektor Andreas Padberg am 28. April zu einem Frühjahrsspaziergang ein. Er schließt sich an die 10 Uhr geplante Eröffnung des Phänologischen Gartens an und führt auf zweieinhalb Kilometern durch das Revier. „Dabei zeigen wir, wie der Waldumbau vonstatten geht und was wir für den Schutz von Biotopen tun." Für Heranwachsende wird ein Seil-Parcours aufgebaut. Für einen Imbiss ist gesorgt, ehe die Veranstaltung gegen 14 Uhr ausklingt.
Am Sonnabend ist möglich, was sonst ausgeschlossen ist: den Phänologischen Garten zu begehen. Informieren kann man sich ansonsten vom Zaun aus. Eine große Schautafel und eine Unterstellmöglichkeit komplettieren die Anlage.