Bad Lausick. Sie produzieren Strom, aber auch Geräusche und damit Ärger: Seit sich die beiden Windkrafträder am Bad Lausicker Stadtrand drehen, fürchten die Anrainer um ihre Ruhe. Und organisieren jetzt ihren Widerstand.
„Ich habe nichts gegen Windkraft. Aber man sollte die Anlagen dahin stellen, wo sie keinen Menschen stören“, sagt Uwe Schenck. Er wohnt in der Elbisbacher Straße einige hundert Meter von den beiden im Herbst eingeweihten Zwei-Megawatt-Anlagen entfernt. Das permanente Geräusch, das die Rotoren erzeugten, sei eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität, sagt er: „Und was soll werden, wenn es wieder wärmer wird und wir bei offenem Fenster schlafen wollen?“ – „Die Geräusche gehen einem auf den Kranz“, formuliert es Matthias Klotz aus der Reichersdorfer Straße. Mit den beiden Anlagen hadern auch Anwohner aus den Siedlungen Finkenweg und Storchenweg. Peter Voxbrunner, der relativ weit entfernt auf der Fridolahöhe lebt, ist dabei, für den Protest eine Internet-Seite herzurichten: www.gegenwindlaerm.de.
„Wir sind alle relativ blauäugig rangegangen“, fasst Inge Scherwinski aus dem Finkenweg zusammen, was viele Menschen am südlichen Bad Lausicker Stadtrand empfinden. Den fast ein Jahrzehnt dauernden Genehmigungsprozess der Windräder, gepaart mit mehreren Gerichtsverfahren, hätten sie eher aus der Ferne verfolgt. Eine Familie, die von den Plänen gehört hatte und im Finkenweg ein Eigenheim kaufen wollte, fragte im Bad Lausicker Bauamt nach. Der Windstrom-Investor werde das Baurecht wohl nicht mehr durchsetzen, habe man ihr gesagt – die Familie kaufte das Haus. Das böse Erwachen folgte vor wenigen Wochen. „Der Wertverlust für unsere Grundstücke steht fest“, sagt Katalin Müller aus der Reichersdorfer Straße. Die klare Ablehnung, mit der der Muldentalkreis und die Stadt dem Vorhaben begegneten, habe beruhigt – zu Unrecht, wie sie nun wisse.
„Das große Problem ist der kontinuierliche Lärm, selbst wenn die Grenzwerte eingehalten werden“, sagt Uwe Müller: „Wenn ein Auto vorbeifährt, ist das nur eine ganz kurze Störung.“ Müller hat an den Betreiber, die Pro Ventum GmbH im erzgebirgischen Großrückerswalde, einen Brief geschrieben. Tenor: Alles tun, um den Lärm zu mindern! Fünf Seiten lang ist die Antwort von Prokurist Andreas Otto. „Wir haben ihre Zuschrift zum Anlass genommen, die Geräuscheinwirkungen nochmals einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.“ Natürlich höre man die Anlagen, „doch wir liegen noch unter den Grenzwerten“. Otto sieht eher den Gesetzgeber in der Pflicht: Seien die Geräusche tatsächlich so nervend, müssten die Grenzwerte künftig enger gefasst werden.
Dass die beiden Windkraftanlagen wieder abgebaut werden, glaubt kaum einer der Kritiker. Sie wollen aber dem Betreiber ganz genau auf die Finger schauen. „Und das Landratsamt muss prüfen, dass die Pegel tatsächlich eingehalten werden“, sagt Inge Scherwinski. Die Kräfte bündeln und über eine gemeinsame Strategie nachdenken wollen betroffene Anwohner auf einer Versammlung am 13. Januar. Sie beginnt 18 Uhr im Hotel am Bahnhof.
Für Pro Ventum hat vordem ein Gerichtstermin Gewicht: Für den 16. Dezember hat das Oberverwaltungsgericht in Dresden ein Urteil angekündigt im Prozess, den das Unternehmen gegen den Landkreis Leipzig führt. Dabei geht es um Schadenersatz für Einnahmeausfälle. Kreis und Kommune hatten dem Bauvorhaben die Genehmigung verweigert. Pro Ventum musste sie erst juristisch erstreiten, was allerhand Zeit kostete – und damit Geld.