Grimma
Abwasser: Unterschiedliche Strategien in Grimmas Dörfern
André Neumann
Grimma. Die einen lassen die Dinge auf sich zukommen, andere handeln, wieder andere wollen sich wehren. Bei der vom Freistaat geforderten Umstellung der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum findet man in den zu Grimma gehörenden Dörfern unterschiedliche Herangehensweisen.
Bis spätestens 2015, in einigen Orten auch früher, muss die Abwasserklärung auch im nicht zentral entsorgten ländlichen Raum auf Vollbiologie umgestellt werden. Die ursprüngliche Forderung dazu kommt von der Europäischen Union, der Bund hat dies in nationales Recht münden lassen, der Freistaat Sachsen und die örtlichen Umweltbehörden setzen die Forderung vor Ort um.
Nun wird in einigen Orten bereits gehandelt. In Bernbruch beginnt eine Gruppe von Grundstückseigentümern in diesem Jahr mit dem Bau von Gemeinschaftskläranlagen. Auch in Höfgen haben sich einige Grundstücke zusammengeschlossen, in Kaditzsch wird über eine gemeinsame Lösung nachgedacht, in Bröhsen und Ragewitz hat Ortsvorsteher Frank Schütz den Einwohnern die Situation geschildert und angedeutet: Die preiswerteste Lösung könnte sein, Gruppenkläranlagen in Eigenregie zu bauen. Diese Strategie ist auch die offizielle des Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger und des Abwasserbeauftragten Thomas Reinhardt.
Doch es gibt auch andere Auffassungen. Politisch getragen vor allem von der SPD in Grimma und am deutlichsten ausgeprägt derzeit in Döben. Falk Kabus, einer der dortigen Aktiven in Sachen Abwasser, sagt deutlich: Was in Bernbruch gemacht werde, „kann nur der falsche Weg sein". Weil, sagt er, damit die alleinige Verantwortung für das Funktionieren der Abwasserentsorgung bei den Bürgern liege. Doch die Abwasserentsorgung sei eine hoheitliche Aufgaben der Kommunen beziehungsweise kommunalen Verbände, die nicht auf die Bürger abgewälzt werden dürfe. Das sagt die Landesregierung in ihrer Antwort auf einen offenen Brief der Grimmaer SPD sinngemäß selbst.
„Wir konzentrieren uns jetzt darauf, dass das, was als rechtens erkannt ist, auch umgesetzt wird", sagt Kabus nach der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Döben. Was nur heißen kann: Man erwartet, dass der Versorgungsverband aktiv wird. Ein anderes Feld der Auseinandersetzung ist die Forderung an den Freistaat, die Sanierungszeiträume zu strecken. Um mindestens zehn Jahre, hatte der Frohburger Bürgermeister kürzlich im Versorgungsverband Grimma Geithain (VVGG) gefordert. Der Verband selbst sollte sich im Sinne seiner ländlichen Bevölkerung dafür stark machen. Diskutiert worden ist der Vorschlag im VVGG noch nicht. „Wir könnten damit leben", sagt Oberbürgermeister Matthias Berger, warnt aber zugleich: „Danach führen wir die gleiche Diskussion wie jetzt."
Er halte auch nichts davon, jetzt politische Diskussionen anzuschieben, auch weil er nicht glaube, dass der Freistaat an seinen Vorgaben noch etwas ändern werde. „Andere Verbände", sagt Berger, „sind viel rigoroser vorgegangen". Nirgendwo werde über die Umstellung der Abwasserklärung so viel diskutiert, würden die Bürger so intensiv beraten wie hier, sagt Berger.Und wenn die Lösung in Bernbruch, das er als „Modelldorf" bezeichnet, funktioniert, „dann ist das der richtige Weg", sagt Berger.
© LVZ-Online, 03.05.2012, 16:15 Uhr