Grimma. Die erste Ausstellung in der Rathausgalerie Grimma im neuen Jahr wird von zwei Künstlern präsentiert, deren unterschiedlichen Arbeiten noch bis 4. März zu sehen sind. Der Leipziger Walter Hertzsch wartet mit Gemälden und Zeichnungen auf, und Ekkehard Körber aus Sermuth stellt dazu aus Holz gestaltete Schalen aus.
Diese gemeinsame und damit gemischte Ausstellung ist kein Zufall. Beide Künstler kennen und vor allem wertschätzen sich. So, als ob es den Altersunterschied gar nicht gäbe – Hertzsch wird im März 80 Jahre, Körber ist 28 Jahre jünger.
Zwei „Außenseiter der Kunst", nennt Stefan Voerkel in seinen einführenden Worten die beiden Männer, „bei denen vergleichbare Bestrebungen nicht erkennbar scheinen." Und das mache ihre Arbeiten „sympathisch und hoffentlich auch anziehend", meint Voerkel. Der unverkennbare Unterschied liegt in ihren Kunstwerken. Hertzsch, der bereits im neunten Lebensjahr damit begann „bewusst zu zeichnen", wie er sagt, hat sich einen Namen unter anderen mit dem so genannten „Leipzig-Panorama" gemacht. Das sind aquarellierte Farbzeichnungen mit Ansichten der Messestadt. In Grimma aber zeigt er überwiegend „Lichtfleckenbilder". Verschiedene Motive, in denen Details dank anderer Farben zwar dezent aber ganz bewusst in den Fokus des Betrachters gerückt werden. Insgesamt aber „stille Bilder", wie Hertzsch meint, die doch von Stillleben weit entfernt seien. „Ein Stillleben ist ein zurechtgerücktes Etwas", sagt der Maler. Was jedoch nicht bedeute, dass seine stillen Bilder der reinen Fantasie entsprungen sind. „Nein, überhaupt nicht", wehrt der Maler vehement ab. „Ich kann mir nichts vorstellen, deshalb male ich immer nur das, was ich auch mit eigenen Augen gesehen habe", sagt Hertzsch, der sich darüber freut, „dass ich auf meine alten Tage eine noch so freundliche Beachtung für meine Arbeiten erfahre."
Die Werke von Ekkehard Körber stellen durchaus einen Kontrast zu den Bildern dar. Und doch fügen sie sich wie selbstverständlich in die Exposition ein. Dickwandige Schalen, die aus Mooreiche modelliert wurden. Nicht eine gleicht der anderen. Allesamt stellen etwas Außergewöhnliches dar. Doch gegen dieses Attribut legte der Holzgestalter zunächst Protest ein, gibt ihn aber auch gleich wieder auf. Denn Holzbearbeitung werde oft mit Drechselarbeit in Verbindung gebracht. Und die würde dank ihrer maschinellen Herstellung nicht in Richtung Kunst gehen, vielmehr „Volkskunst" sein. Mitnichten sei das eine Wertung, gibt Körber, der ja selbst eine Drechslerausbildung genoss, zu verstehen. „In meiner Heimat Bielefeld, wo ich gelernt habe, gab es 13 Drechslereien, die Möbelteile herstellten. Ich war aber der einzige, der sich ernsthaft in diese Kunstrichtung entwickelt hat. Insofern ist diese Kunstgestaltung aus Holz in Deutschland relativ selten", räumt der Künstler nun ein. Umso erfreulicher ist es, dass er sich mit seinem Atelier im Muldental, nämlich vor sechs Jahren in Sermuth, sesshaft gemacht hat. Frank Schmidt