Grimma/Mutzschen. „Hi, ich habe Sehnsucht nach Europa. Und Europa bedeutet für mich Mutzschen." Mit diesen Worten hatte kurz vor Ostern Eli Wolfe vom fünften Kontinent aus beim Mutzschener Pfarrer Henning Olschowsky durchgeklingelt und damit sein Kommen angekündigt. Nun war das australische Gitarrentalent da und bereitete in der Stadtkirche dem Publikum einen fantastischen Musikabend. Und ganz nebenbei auch dem Mutzschener Pfarrer ein besonderes Geburtstagsgeschenk.
„Eli fragte nach, ob er wie schon letztes Jahr ein Konzert geben könne. Also habe ich in meinen Kalender geschaut und da war heute der einzige Tag, an dem ich keine Abendveranstaltung hatte", gab der Geistliche seine Terminplanung preis. Was er nicht erzählte war, dass er eigentlich gar nicht in den Kalender hätte schauen müssen. Denn dieser eine Tag im Jahr dürfte immer frei sein für ihn – es ist sein Geburtstag. Dafür gab es von Petra Nollau im Namen der Kirchgemeinde und vor voll besetzten Bankreihen im Kirchenschiff einen Blumenstrauß mit den besten Wünschen.
„Andere Kirchgemeinden haben einen sportlichen Pfarrer, wir aber haben einen Musikpfarrer", formulierte sie ein herzliches Dankeschön für Olschowsky Engagement. Dem aber nicht nur dieses eine Gastspiel eines Musikers aus einer großen Metropole am anderen Ende der Welt hier in der sächsischen Provinz zu verdanken ist. „Wir kennen uns seit reichlich einem Jahr über einen gemeinsamen Freund in Leipzig", erklärte wiederum der Pfarrer seine Verbindung zu Eli Wolfe. Und schon letztes Jahr habe er in der Kirche ein Konzert gegeben.
Zumindest von daher war er, der in seiner Heimat momentan in den Charts die Nummer Eins ist, dem einen oder anderen im Publikum kein Unbekannter. „Man muss ihn hierzulande nicht kennen, um seine fantastische Musik zu genießen", meinte Susanne Vetterlein. „Aber man könnte ihn kennen, wenn man wie ich vor einem Jahr bei dem Konzert hier in der Kirche dabei war – da hat mich Eli Wolfe vom Hocker gerissen", meinte Hans-Frieder Richter." Indes war sich Ulf Nollau ganz sicher: „Man wird Eli Wolfe bald in Deutschland und ganz Europa kennen, denn er ist ein begnadeter Gitarrenspieler." Aber noch sei er in Europa mehr ein Geheimtipp. Eine Einschätzung, die er traf, ohne den Musiker schon einmal live erlebt zu haben. „Eine Arbeitskollegin hat von ihm geschwärmt, daraufhin habe ich mich über ihn informiert. Und da konnte ich nur gute Kritiken lesen und hören." Das Livekonzert überzeugte nicht nur ihn. Es waren emotionale Songs, die zum Schließen der Augen verleiteten, wie bei einigen Zuhörern in den ersten Reihen zu beobachten war, aber auch zum innigen Küssen, wofür sich ein Paar auf die letzte Bank zurückgezogen hatte.