Muldental (r). Das Thermometer zeigt seit Tagen Temperaturen unterhalb von Null Grad Celsius an. Es herrscht Dauerfrost im Muldental. Dennoch hat sich das öffentliche Leben auf die Bedingungen eingestellt. Das Motto lautet in vielen Bereichen: Kälte? Na und?!
„Die Kälte ist kein großes Problem für uns. Wir stellen uns darauf ein", sagt Karin Brade, Erzieherin in der Wurzener DRK-Kita „Sonnenschein". Die Hintergrundgeräusche geben ihr recht. Was sie sagt, ist kaum zu verstehen, so laut schnattern die Knirpse hinter ihr. „Wir waren gerade draußen, jetzt ziehen sich alle um." Natürlich fallen die Expeditionen in die freie Natur bei zweistelligen Minusgraden etwas kürzer aus. „Aber wir haben ja auf dem Grundstück noch unseren Rodelberg. Da können sich die Kinder mit Schlitten austoben." Zum Aufwärmen gibt es drinnen dann Bewegungsspiele oder etwas zum Nachdenken. So lässt es sich auch bei Dauerfrost aushalten.
„Wir mummeln die Senioren einfach richtig dick ein", sagt Janet Würfel. Sie ist Leiterin des Altenpflegeheims Bergstraße in Brandis. „Aber raus an die frische Luft geht es schon." Für den ambulanten Dienst seien die Wege in diesen Tagen sicher etwas beschwerlicher, um betagte Personen zu betreuen. „In einem Fall muss dann schon mal ein Eimer Kohle mehr in die Wohnung geschafft werden."
Auch die Versorger im Landkreis trotzen erfolgreich der Kälte. „Es gibt keine Versorgungsengpässe", sagt Ulf Aleit, Leiter des Bereiches Netzservice/Leitstelle der Mitteldeutschen Gasversorgung (Mitgas). Zwar werde bei diesen Temperaturen die siebenfache Menge im Vergleich zu einem Sommertag benötigt. „Aber die Speicher sind gefüllt", so Aleit. Das Unternehmen ist mit 20 Leuten am Wochenende in Bereitschaft. Auch im Stromnetz von Regionalversorger EnviaM sind bislang keine Kälte bedingten Störungen aufgetreten. „Extreme Minusgrade sind bei trockener Kälte unproblematisch", so ein Sprecher. Erst wenn die trockene in feuchte Kälte umschlage, könnten vereiste Leitungen reißen.
Die Minusgrade halten derzeit auch noch möglich Schäden an Wasserleitungen unter der Decke. „Zur Zeit ist alles im grünen Bereich", sagt Hartmut Schütz, technischer Leiter des Versorgungsverbandes Eilenburg-Wurzen. Trinkwasserleitungen würden frostgeschützt in einer Tiefe von 1,30 Meter liegen. Dagegen registriere der Wasserversorger jeden Winter bis zu 60 eingefrorene Wasserzähler. Grund seien mangelnde Isolierung oder offenen Kellerfenster durch die Hausbesitzer. Auch an Leitungen, in denen das Wasser steht, könnten Schäden auftreten. Das zeige sich aber erst, wenn Tauwetter beginnt, so Schütz.
Für den Winterdienst des Landkreises ist die Kälte noch keine echte Herausforderung. Gestreut werden müsse bei dieser Witterung meist nur punktuell, etwa auf Brücken oder Einschnitten in denen sich Wasser sammelt, teile das Landratsamt mit. Je sechs Mann pro Straßenmeisterei würden täglich gegen vier Uhr zu den nächtlichen Kontrollfahrten ausrücken. Der Verbrauch an Taumitteln liege mit 700 Tonnen weit unter den 5500 Tonnen, die im gleichen Zeitraum vor einem Jahr ausgebracht worden seien.