Grimma. Trotz einer 13 Zentimeter dicken Eisschicht drin und gefühlt arktischer Temperaturen draußen dürfte die Eissporthalle in Grimma-Süd am Sonntag brodeln. Dann findet dort ein internationales Eisspeedway-Rennen statt. Der Grimmaer Eissportverein rechnet mit 500 Zuschauern.
„Die Eiskunstläufer tun mir zurzeit wirklich ein bisschen leid", gesteht Kathrin Mogilka vom Eissportverein. Der Grund: Für die mit Spikes ausgestatteten Reifen der Motorräder und Autos, die am Sonntag in der Halle schnelle Runden drehen wollen, wurde das Eis auf die doppelte als sonst übliche Dicke gebracht. Für die jungen Eisläufer bedeutet das noch mehr Kälte von unten. Doch das dicke Eis soll die darunter liegenden Leitungen schützen. „Wir wissen noch nicht, wie sehr das Eis zerfahren wird", sagt die Vereins-Schatzmeisterin.
Abgesehen davon ist sie für das sportliche Ereignis am Wochenende absolut zuversichtlich: „Rein werbetechnisch ist das ein Selbstläufer". Seit bekannt ist, dass in Grimma zum ersten Mal Motorsport auf dem Eis stattfindet, hätten die Telefone in den vergangenen vier Wochen kaum noch still gestanden. Laufend gab es Anfragen nach Karten, sogar aus Dresden und Berlin. Und nach dem Veranstaltungsort. Einige hätten jetzt erst erfahren, dass Grimma eine Eissporthalle hat, sagt Mogilka. „Die dachten, wir machen das irgendwo draußen."
Die Veranstalter der Rennserie Speedway on Ice vom Motorsportclub Meißen haben die Halle schon vor einem Monat getestet und für gut befunden. Gestern schauten sich Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Bauordnungsamtes dort um. Denn wegen der erwartet höheren Zuschauerzahl – zu Eissportwettkämpfen kommen sonst maximal 200 Besucher – mussten zusätzliche Auflagen erfüllt werden. Auch bei der Versorgung stellt sich der Eissportverein auf einen Zuschaueransturm ein. Zusätzlich zum üblichen Imbissstand wird es einen zweiten geben und zwei Glühweinstände.
Das Fahrerfeld am Sonntag ist überschaubar aber international und für Branchenkenner absolut namhaft. Die knapp ein Dutzend zählenden Motorradfahrer kommen aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Russland, Polen und den Niederlanden. Darunter sind der zweimalige Juniorenweltmeister Eduard Krcmar aus Tschechien und der Weltrekordhalter im Hinterradfahren Ronny Weis aus Meißen. Beim Autospeedway gehört Legende Ronny Melkus zu den Piloten auf dem glatten Parcours.
Ab 16 Uhr dröhnen am Sonntag die mit Methanol betriebenen Motoren und treiben die Motorräder an, die als einzige im Motorsport keine Bremsen haben. Die Kasse öffnet bereits ab 14.30 Uhr. Wenn das Spektakel vorüber ist, dann legt der Eismeister eine Nachtschicht ein und hobelt das dicke Eis wieder runter. Damit die Eissternchen beim Training nicht mehr als nötig frieren müssen.