Zschadraß. Männer in Blau beherrschten die Szenerie im Hortzimmer der Hausdorfer Grundschule, in das Bürgermeister Matthias Schmiedel zur dritten Zschadraßer Gemeinderatssitzung in diesem Jahr eingeladen hatte. Allein die Gründe des Erscheinens der Kameraden waren unterschiedlicher Natur. Während der Erlbacher Erik Weber in erster Linie gekommen war, um sich vom Gemeindechef offiziell zum höchstwahrscheinlich jüngsten Muldentaler Wehrleiter berufen zu lassen, brachten die übrigen Wehrleiter an der Seite von Gemeindewehrleiter Wolfgang Weber ein sie bedrückendes Thema zur Sprache – das der Finanzen.
Bereits im vergangen Herbst hatte sich Weber in einem Schreiben an den Bürgermeister gewandt, in dem er den Vorschlag einer Modifizierung der Entschädigungssatzung unterbreitete. „Es sind in den zurückliegenden Jahren immense zusätzliche Belastungen auf die Wehrführungen zugekommen, die sich zeitlich wie finanziell kaum noch bewältigen lassen“, sprach der Gemeindewehrleiter den Gemeinderäten noch einmal ins Gewissen. Mittlerweile hätten 70 Prozent der Feuerwehrarbeit nichts mehr mit der Brandbekämpfung zu tun, zudem seien die Ausgaben für Literatur, Telefon und Kraftstoff sukzessive gestiegen, ganz zu schweigen von der zunehmenden Zahl an Schulungen. „An der Entschädigungssatzung müssen Veränderungen vorgenommen werden, um auch in Zukunft die Einsatzbereitschaft und die Ausbildung auf dem Niveau von heute halten zu können.“
Ein Appell, der von den Räten und der Verwaltung auch bereitwillig aufgenommen wurde und in einen Vorschlag für den Haushaltsplan 2010 mündete. In dessen Entwurf war beispielsweise vorgesehen, die Jahresentschädigung eines Wehrleiters in Abhängigkeit von der jeweiligen Zahl der Kameraden von 360 auf 410 bzw. 460 Euro zu erhöhen sowie das so genannte jährliche „Stiefelgeld“ für den einfachen Kameraden von fünf auf zehn Euro zu verdoppeln. Allein die Sparzwänge machten es erforderlich, den Entwurf nicht in den Haushaltsplan aufzunehmen. „Ich kann nur das verteilen, was ich habe“, warb Schmiedel bei den Kameraden um Verständnis und machte deutlich, dass auch der für die Gemeinde erarbeitete Brandschutzbedarfsplan auf sehr wackeligen Füßen steht. „Realistisch und mit Blick auf die Zahlen betrachtet, die uns im nächsten Haushalt erwarten, ist dieser Plan nicht zu stemmen.“
Gleichwohl einigten sich die Gemeinderäte darauf, das Thema Feuerwehr zeitnah noch einmal auf die Agenda zu setzen. „Am Haushalt können
wir zwar nicht mehr rütteln, aber im Sinne der Attraktivität der Arbeit in der Feuerwehr für den Nachwuchs sollten wir schauen, ob wir nicht in kleinen Schritten den Wünschen der Kameraden entgegen kommen können“, plädierte Gemeinderat Gottfried Ulbricht.