Muldental. Die freie Schulwahl hat ihre Tücken – und ihre Grenzen. Weil Eltern selbst entscheiden können, auf welche Mittelschule oder auf welches Gymnasium sie ihre Kinder von der fünften Klasse an schicken, fällt den Schulbehörden das Planen schwer. Jetzt liegen die Anmeldezahlen vor (LVZ berichtete). Die Folge: Das Moratorium muss in Anspruch genommen werden und es werden Verschiebungen nötig.
Die Mittelschulen in Colditz und im jetzigen Grimmaer Ortsteil Böhlen machen in diesem Jahr wieder einmal deutlich, wie unberechenbar Elternentscheidungen sind und welche Auswirkungen das haben kann. Gab es zum vergangenen Schuljahr noch eine überraschend hohe Anmeldezahl für Colditz (49) und für Böhlen (43) eine kleinere, so kippte das Verhältnis in diesem Jahr: 55 Schülerinnen und Schüler sollen die Mittelschule im Dorf Böhlen besuchen, nur 25 jene in der Stadt Colditz. Damit wird in Colditz eine Klasse gebildet – ausnahmsweise. Vorgeschrieben sind laut Schulgesetz mindestens zwei Klassen und minimal 40 Schüler, nur das befristete Moratorium der Landesregierung rettet die Mittelschule Colditz vor dem sogenannten Mitwirkungsentzug und der drohenden Schließung.
Ohne Moratorium stünden im Landkreis auch noch die Mittelschulen in Geithain (30 Anmeldungen), Kitzscher (34), Groitzsch (35) und Böhlen bei Borna (39) auf der Kippe, jene in den Großen Kreisstädten Borna (40) und Wurzen (41) wären nicht weit davon entfernt. Mittelschulen in freier Trägerschaft sind von den gesetzlichen Mindestanforderungen nicht betroffen. Die Mittelschule im evangelischen Schulzentrum Grimma/Großbardau hat 17 Anmeldungen vorliegen, die Hans-Sachs-Mittelschule Borna 14.
Im Gegensatz zu anderen Kommunen hat die Mittelschule Brandis Probleme wegen einer zu hohen Anmeldezahl. Aus Kapazitätsgründen können nur drei Klassen gebildet werden, es sind aber 89 Schüler gemeldet. Sieben davon sollen jetzt nach Naunhof umgelenkt werden. Diese Planung sei mit der Bildungsagentur abgestimmt, heißt es in einer Information des Landkreises an den Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport,
Gedanken über die weitere Entwicklung sind auch an den Standorten der Gymnasien in staatlicher Trägerschaft angebracht. Das freie Gymnasium in Borsdorf nimmt auch in diesem Jahr wieder 48 Schüler auf, das neue freie Gymnasium in Naunhof 22. Elf Kinder sollen den gymnasialen Bereich des evangelischen Schulzentrums Großbardau besuchen.
Für das St. Augustin in Grimma bleiben somit 101 Schüler (Vorjahr 142) – geplant sind vier Klassen, möglich wären sechs. Im einst fünfzügig geplanten Lichtwer-Gymnasium in Wurzen liegen 81 Anmeldungen (Vorjahr 80) vor – laut Planung für Dreizügigkeit ausreichend. Und in Brandis können und sollen drei Klassen eingerichtet werden, die Schülerzahl von 71 liegt allerdings unter dem vom Ministerium für Gymnasien geforderten Mindestdurchschnitt von 75. Im Vorjahr waren es noch 93.