Grimma
Grimma 1979 – Erinnerungen eines Bio-Lehrers
Silke Hoffmann
Foto: Volker Riedel
Gottfried Kipping 1971 als Lehrer. Seine Aufzeichnungen von damals sind jetzt als Buch erschienen.
Grimma. „Grimma 1979“ ist der Titel des knapp 100 Seiten umfassenden kleinen Buches, das jetzt im Sax-Verlag Beucha herauskam und am Sonntagnachmittag im Grimmaer Museum vorgestellt wurde. Der Andrang war so groß, dass gar nicht alle Interessierten in den Raum passten und viele noch vor Beginn der Veranstaltung wieder nach Hause gehen mussten.
Gottfried Kipping war von 1953 bis 1974 an der damaligen Erweiterten Oberschule Grimma (heute Gymnasium St. Augustin) als Biologielehrer tätig und unterrichtete auch Erdkunde und Latein. Jahre nach seinem Tod – Gottfried Kipping starb 1991 – fand sein Sohn Dietrich einen großen Packen handschriftlicher Aufzeichnungen des Vaters. Darin ging es um Wanderwege, Natur und Pflanzen der Grimmaer Umgebung, aber auch auf vielen Seiten um Kippings Heimatstadt Grimma, um ihre Gebäude, Betriebe, Einrichtungen, Sehenswürdigkeiten, um ihre Menschen.
In den Aufzeichnungen Kippings tauchen zum Beispiel solche Grimmaer Originale auf wie Birnbaum-Krause, Seifenkopp Berthold, Geldbriefträger Sensenmüller, der gelbe Schuster, Pastor Francke, die ewig radelnde rasende Reporterin Renate Sturm-Francke oder auch der bedauernswerte Tittelwilli. Vieles, was sich in Grimma in den DDR-Jahren entwickelt hatte und auch vieles, was abgeschafft, zerstört oder ignoriert wurde, hatte Gottfried Kipping damals mit offenen und auch zum Teil kritischen Augen gesehen und für sich, seine beiden Söhne und nunmehr für die gesamte Nachwelt mit dem Stift festgehalten.
Der Grimmaer Geschichts- und Namensforscher Horst Naumann war am Sonntag gemeinsam mit Dietrich Kipping, dem Sohn des Bio-Lehrers, und mit Lutz Heydick vom Sax-Verlag gekommen. Immerhin sei das noch druckfrische Büchlein im engen Hand-in-Hand der drei geschichtsinteressierten Männer entstanden. Kipping hatte sich mit den Manuskripten an Naumann gewandt, gemeinsam ging man auf die Suche nach geeigneten Fotos der damaligen Zeit, die heute das Buch bereichern, und zusammen mit Heydick wurden schließlich die spannendsten und wesentlichsten Passagen der Aufzeichnungen des Vaters für die Veröffentlichung ausgesucht. Für Horst Naumann gibt es übrigens einen ganz besonderen persönlichen Bezug zu Gottfried Kipping: „Von 1953 bis 1956 waren wir beide Lehrer hier an der Landesschule, er gab Bio, ich Deutsch, Englisch und Latein. Als ich dann von der Schule wegging, übernahm Gottfried Kipping die Latein-AG von mir“, erinnert sich Naumann.
Lutz Heydick vom Sax-Verlag gab seiner Freude Ausdruck, dass so viele Interessierte im Grimmaer Museum sozusagen zur Ouvertüre der Leipziger Buchmesse erschienen seien, die ja in wenigen Tagen beginnt. Das Buch „Grimma 1979“ sei eines der zahlreichen Veröffentlichungen über Grimma, die im Verlag bereits erschienen seien. Es sei toll, dass hier ein „hellwacher, kritischer und unabhängig denkender Geist“ für die Nachwelt erhalten habe, wie damals in der DDR die Menschen lebten, was sie erlebten und dachten.
© LVZ-Online, 15.03.2010, 15:00 Uhr