Grimma
Grimma lässt Schiffmühle sanieren
André Neumann
Foto: Frank Schmidt
Das technische Denkmal soll in diesem Jahr saniert werden.
Grimma. Die Stadt kann jetzt doch das technische Denkmal Schiffmühle in Höfgen sanieren lassen. Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend das knapp 90 000 Euro teure Vorhaben. Unklar ist noch, wer das 20 Jahre alte technische Denkmal nach der Erneuerung betreut.
Vor einem knappen Monat war die Entscheidung über die Sanierung noch vertagt worden, vor allem wegen des eigentlich vorgesehen Anteils an Eigenleistung durch den bisherigen Betreiber, die Denkmalschmiede Höfgen. Den sah man aufgrund der aktuellen Schwierigkeiten in Frage gestellt. Jetzt plant die Stadt ganz ohne die Denkmalschmiede, wobei zu beobachten war, dass der Verwaltung das Thema wegen der Bedeutung der Schiffmühle für den Tourismus sehr ernst ist. Für Jochen Lischke, den Leiter des Stadtplanungsamtes Grimma gehört sie zu den „fünf bis sechs wichtigsten touristischen Attraktionen in Grimma".
Vorgesehen ist, die Mühle, die sich derzeit noch im Winterhafen befindet, mit zwei großen Kränen an Land zu holen und später wieder ins Wasser zu setzen. Allein das kostet etwa 10 000 Euro. Der Schiffskörper einschließlich Antriebswelle und Wasserrad wird durch Mitarbeiter einer Werft gereinigt, überholt und teilweise erneuert. Der Aufbau, das Mühlenhaus, wird ebenfalls in Ordnung gebracht und die darin befindliche Ausstellung soll modernisiert werden. Letzteres schlägt allein mit rund 30 000 Euro zu Buche und bereitete einigen Stadträten Kopfzerbrechen. Tenor: Wenn jetzt die Ausstellung für viel Geld auf museumstechnisch modernsten Stand gebracht wird, die Denkmalschmiede aber als Betreiber ausfallen sollte, wer übernimmt dann diese Aufgabe?
„Sollen wir dann Personal einstellen?", fragte Stadtrat Hans-Jörg Dossin (BfG). Wolfgang Bludau (Linke) regte an, in dem Zusammenhang über Ein-Euro-Jobs nachzudenken, während Dossin den Vergleich zur Höfgener Kirche zog: Die halte die Kirchgemeinde mit Ehrenamtlichen offen. Über solche Wege sollte man auch bei der Schiffmühle nachdenken, meinte er. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) machte deutlich: „Wir werden mit Sicherheit kein Personal als Betreiber einstellen." Es werde eine Lösung geben, sagte er gegenüber LVZ, wobei er zuerst an Höfgener Betriebe denkt, die von der touristischen Attraktion Schiffmühle am meisten profitieren.
Bei zwei Enthaltungen votierte der Stadtrat einstimmig für die Sanierung. Wann die beginnt, ist noch offen, sie soll aber in diesem Jahr erfolgen, sagte Lischke. Angebote von zwei Werften liegen bereits vor. Fördermittel stehen in Aussicht, sind aber noch nicht endgültig zugesagt. Die Höfgener Schiffmühle ist der Nachbau einer historischen Mühle. Über das durch die Strömung angetriebene Wasserrad und eine Welle wurden Mahlwerke angetrieben. In Höfgen fördert die Schiffmühle Wasser unter anderem für den Brunnen im Juttapark.
© LVZ-Online, 04.05.2012, 15:41 Uhr