Grimma/Großbardau. Manchmal lächelt sie während des Kampfes – wenn ein Schlag sitzt oder weil sie einfach freundlich zu ihrer Gegnerin sein möchte. Heike Hofmann aus Großbardau ist Amateur-Boxerin beim SV 1919 Grimma. Um Kontrahentinnen zu finden, muss sie weit fahren. Die letzten Kämpfe bestritt sie beim Dolomitencup in Lienz und bei einem Turnier in Hamburg.
Die Wettkämpfe sucht ihr Trainer René Kaufmann danach aus, ob Frauen in ihrer Gewichtsklasse bis 54 Kilogramm gemeldet sind. Heute fährt Heike Hofmann nach Basel zum einzigen internationalen Damen-Boxturnier der Schweiz. Vielleicht trifft sie dort auf die Schweizerin, gegen die sie im März in Hamburg ihren letzten Kampf verlor, weswegen sie am Ende auf Platz zwei landete. Sie würde sich auf die Revanche freuen – und gewiss auch wieder lächeln.
Der gewinnende Blick und das Lachen scheinen eine Grundeinstellung der 32-Jährigen zu verkörpern, mit der sie ihr Leben meistert. Die gelernte Krankenschwester studiert derzeit Soziologie und Psychologie und erzieht allein ihre zweijährige Tochter Leonie. Zweimal in der Woche, vor Wettkämpfen viermal trainiert sie. Die kleine Familie muss mit Ausbildungshilfe, Unterhalt und Wohngeld auskommen und mit dem, was sie sich mit Jobs für die Wirtschaftsforschung und für Gymnastikkurse für Behinderte dazu verdient. „Leonie und ich, wir können schon gut leben", sagt sie und erzählt, dass ihre Eltern und ihre zwei Brüder in der Nähe wohnen und den beiden unter die Arme greifen.
Wenn die Kleine im Kindergarten ist, geht Heike Hofmann zum Training oder arbeitet zu Hause fürs Studium. Der Nachmittag gehört der Tochter und wenn Leonie schläft, setzt sich die Boxerin wieder an die Bücher und den Computer. Bis gegen 22.30 Uhr, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Aber so diszipliniert kriege ich das nicht immer hin".
Wo doch gerade das Boxen die Disziplin schult. Die Tochter darf manchmal sogar zuschauen, wenn Mama im Boxkeller im Soziokulturellen Zentrum in Grimma selbst trainiert oder sich um den jüngsten Nachwuchs kümmert. Leonie fährt dann mit dem Bobbycar auf dem schönen glatten Boden umher, versucht die ersten Sprünge mit dem Seil oder überredet einen der Erwachsenen zum Ball spielen. „Die wird mal eine Sportlerin", ist Heike Hofmann überzeugt. Wobei sie nicht sicher ist, ob sie wolle, dass ihre Tochter boxt.
„Das ist schon ganz schön anstrengend und kann auch schmerzhaft sein". Dennoch habe sie, die über das Fitnesstraining zum Boxen gekommen ist, noch keine andere Sportart kennen gelernt, die so sehr den gesamten Körper und den Kopf trainiert. Deswegen bedauert sie ach, dass sie viel zu spät zum boxen gekommen ist. Denn wenn sie in zwei Jahren 34 sein wird, darf sie – das schreibt das Regelwerk vor – keine Turnier mehr boxen. Bis dahin möchte sie gern noch ein paar Gegnerinnen in Ring anlächeln.