Für diesen Tag hatte man sich vorgenommen, die Stärken der einzelnen Klassen nach außen zu kehren. „Wir wollen uns daran messen lassen, was wir in den letzten Jahren begonnen und kontinuierlich ausgebaut haben", gab Schulleiter Dietmar Linke das Motto aus. Aushängeschild seien ganz besonders die Förderklassen für Sport und Musik. Außerdem hob der Schulleiter die vielen Neigungskurse in der Schule hervor, „die schon ihres Gleichen suchen" würden. Den besten Überblick darüber bekamen die Besucher mit dem „Wo-Was-Mit-wem-Papier", eine Art Laufzettel, der durch alle drei Etagen des Schulhauses führte. Also auch in jene Musikförderklasse von Lehrerin Claudia Rückert, die vor sechs Jahren erstmals aus der Taufe gehoben wurde.
Dort musizierte Vitali Todeta auf einem Tenorhorn. Allerdings gab er ehrlich zu, diese Instrumentenwahl bereut zu haben. „Ich wollte eigentlich in einer Band mitspielen – Gitarre, Schlagzeug oder so, aber ein Wechsel war nicht möglich." Doch als verlorene Zeit wollte Vitali die Ausbildung nicht werten. „Ich habe mal etwas anderes gelernt."
Wie früher einmal mit einem Rechenstab gearbeitet wurde, das wusste der Schüler Fabian Rabe nicht. Wohl aber, wie er aussieht, weil er ihn in einer Sammlung alter und längst überholter Lernhilfsmittel vorstellte. Darunter befindet sich auch der erste DDR Schülerrechner „SR1", den Lehrerin Katrin Hemme noch benutzte und nun beisteuerte. Um den Rechenschieber noch nutzen zu können, „müsste ich mich wirklich richtig reinknien", gab sie lachend zu.
Aber genau diese kleine Ausstellung war Spiegelbild für die rasante Entwicklung der an der Schule alltäglichen Lernhilfsmittel. Auch in der Unterrichtsform schlagen sich die Veränderungen nieder. Zum Beispiel in der Sportförderklasse von Kerstin Stender, womit die Prioritäten schon durch den Namen der Klasse bestimmt werden. „Unsere Schüler sind aber nicht nur sportlich", sagte die Lehrerin, „sondern auch sehr kreativ, wie die hier ausgestellten Arbeiten zeigen." Als Vati freute sich Jörg Güttler, dessen Tochter Liane in die Sportförderklasse geht und sich dem Volleyball verschrieben hat, über die Ganztagsangebote der Mittelschule Grimma. „Damit wissen wir unsere Kinder gut betreut, so dass alles für die Schule gemacht ist und zu Hause noch etwas Freiraum für private Unternehmungen bleibt."
Die für den Tag der offenen Tür vorgesehenen zweieinhalb Stunden am Abend reichten kaum aus, intensiv all das kennenzulernen, was der Laufzettel als Empfehlung mit auf den Weg gab. Kreativklasse, Theatergruppe, Schulbibliothek, Berufsorientierung, Internetcafé, Streitschlichter, Schulmuseum – und so weiter, und so fort. Es sei denn, man kam bei der Klasse 8a vorbei, die dank einer Videoprojektion eine virtuelle Reise durch die Schule ermöglichte.