Muldental. Deutlich höher als am Wochenende zuvor stieg der Muldepegel dieses Mal an. Als ob der Fluss gleich zum Jahresbeginn sportliche Höchstleistungen beweisen müsse, bäumte sich der Pegel in Golzern auf zur 5,26-Meter-Marke (normal sind unter zwei Meter) und übersprang damit locker die Hürde der Hochwasserstufe III.
Anspannung ja, vielleicht auch Nervosität hier und da, Hektik und Panik aber nicht. So fällt das Fazit am ersten richtigen Hochwasserwochenende im neuen Jahr aus. Sicher auch, weil Flussanlieger in Grimma per SMS informiert worden sind. Sogar die nach Grimma eingemeindeten Orte, so Oberbürgermeister Matthias Berger, habe man in das SMS-Informationssystem eingebunden. Bereits am Freitagabend stellte die Feuerwehr Grimma die drei Schutzwände aus Hochwasserbalken an der Großmühle auf. Damit lasse sich nicht das Wasser aus der Stadt halten, weil die Hochwasserschutzmauer noch nicht durchgehend fertig ist, klärte Ortswehrleiter Thomas Knoblich über die „Vorsorgemaßnahme" auf, wohl aber mögliches Treibgut. Außerdem wurden in der Altstadt alle Zufahrtsstraßen gesperrt, die direkt zum Muldeufer führen.
In Höfgen sah die Situation schlimmer aus, als sie tatsächlich war. Zwar bekam der Pavillon am Hotel Schiffmühle nasse Füße, womit der Wanderweg zum Rabenstein unpassierbar wurde, ebenso die Anlegestelle der historischen Schiffmühle und der komplette Spielplatz. „Aber mit diesem Pegelstand können wir noch gut leben", sagte ein relativ entspannter Thomas Sörnitz vom Hotel Schiffmühle. Sicherheit gaben ihm auch die Kameraden der Feuerwehr Kaditzsch, sie stapelten zwischen Hotel und Parkplatz Sandsäcke auf, die letztlich nicht mehr nass wurden. In Höfgen selbst lag die Mulde dem Dorf sprichwörtlich zu Füßen. Die Wiesen direkt hinter dem Museum der Wassermühle waren bis rüber zum eigentlichen Flusslauf überflutet. Einzig das Fährhaus trotzte dem Pegelstand, weil es um wenige, aber entscheidende Zentimeter höher thront und damit gerade so vor Wassereinbruch verschont blieb.
Dafür schoss weiter flussabwärts in Golzern die Mulde am Wehr brachial über die Staustufe hinweg. In Trebsen wurde die Straße Am Mühlgraben gesperrt. Und damit nicht nur die überflutete Verbindung nach Neichen, auch die Zufahrt zur Brückenstraße war dicht. Was zunächst für Verwirrung sorgte, gilt doch die Brückenstraße als hochwassersichere Zufahrt zum Schloss. Doch am Samstag zeigte sich, warum die Sperrung vonnöten war, denn das Wasser drückte über den Mühlgraben zurück in die Straße Am Mühlgraben, die stand nun auch unter Wasser. Bei Walzig waren noch in der Nacht zum Samstag Andreas Julius und Matthias Leipner freiwillig als Deichläufer unterwegs, konnten aber keine Auffälligkeiten feststellen.
Dramatisch mutete der Anblick des Fährhauses in Dehnitz bei Wurzen an. Dort war das gesamte Gebäude vom Wasser umgeben. Gar so hoch, dass vom Jägerzaun nur noch die Spitzen zu sehen waren. Allerdings hatte es den Anschein, dass die Eigner offenbar gut auf die Situation vorbereitet waren.
Noch in der Nacht zu gestern entspannte sich die Hochwasserlage, wenn auch auf hohem Niveau – die Warnstufe III wurde aufgehoben.