Grimma/Nerchau/Golzern. Einsatzleiter Thomas Knoblich machte seinen 113 Feuerwehrleuten ein Kompliment: „Ohne uns selber auf die Schulter zu klopfen, will ich mich für das hervorragende Zusammenwirken der Wehren Grimma,n Nerchau, Fremdiswalde, Cannewitz, Hohnstädt und Wurzen bedanken. Die Flammen haben uns wirklich viel abverlangt." Noch bis gestern Mittag liefen am Golzerner Landhandel die Löscharbeiten – 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers.
Wie berichtet, schlugen am Sonntag nach 12 Uhr meterhohe Flammen aus dem Dachgeschoss des Futtermittelbetriebes. Nach Eintreffen am Unglücksort forderte Einsatzleiter Knoblich sofort Verstärkung an. Schnell wurde ihm klar: Schlimmeres ist nur zu verhindern, wenn jeder einzelne Kamerad an seine Grenzen geht. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte – er selbst sollte über zwölf Stunden am Stück an Ort und Stelle bleiben, um gestern früh nach drei Uhr abermals auszurücken, da Glutnester erneut aufflammten.
Fünf Schlauchleitungen wurden gelegt, um genügend Löschwasser aus der Mulde zu pumpen. Gleich zwei Drehleitern mussten ausgefahren werden, da die Flammen nur von oben in Angriff genommen werden konnten. Knoblich: „Ich konnte es zunächst nicht verantworten, auch nur einen meiner Männer ins Haus zu schicken. Wir wussten nicht, inwieweit die Holzdecken und Holzbalken noch stabil genug waren." Der Einsatzleiter lobt die Kooperation mit dem Betrieb: „Die Geschäftsleitung kümmerte sich nicht nur um das leibliche Wohl meiner Leute, sondern gab uns Hinweise über die auf den Stockwerken gelagerten Fette und Säuren. Somit waren wir zusätzlich gewarnt, denn die Tanks mit ihrem Eigengewicht erhöhten den Druck auf die Holzkonstruktion."
Der Landhandel wollte gestern keinerlei Stellungnahme abgeben. Polizeisprecherin Ilka Peter geht indes von einem Schaden in Millionenhöhe aus: „Die Brandursache ist noch unklar." Ihre Beamten seien vor Ort gewesen, um Schaulustige auf Distanz zu halten und die Straße zu sperren: „Sonst wären die Autos andauernd über die Schläuche gefahren", so Peter.
Von den Drehleitern aus schossen die Feuerwehrleute auch Digitalfotos, um sich ein Bild vom Zustand der Tanks zu machen. Außerdem wurden umliegende Gebäude mit Wärmebildkamera gescannt. Erst nach Auswertung am Computer beorderte Knoblich die Trupps zum Innenangriff. Die Männer kämpften bis zur Erschöpfung gegen die Feuer in den mit Getreide gefüllten Silos. Das Schadstoffmobil konnte wenig später Entwarnung geben: Kein kontaminiertes Löschwasser. Den Wehren gelang es, das Übergreifen des Feuers auf Nachbargrundstücke zu verhindern. Aufsteigen, absteigen – der Einsatz im mehrstöckigen Gebäude schlauchte. Zwei Kameraden mussten zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden. Unterdessen stellte die Cannewitzer Wehr die Einsatzbereitschaft wieder her, um für einen nie auszuschließenden anderen Notfall gewappnet zu sein. Wolfgang Pretzsch und Maik Hammer, die Wehrleiter von Nerchau und Fremdiswalde: „Nach dem Einsatz ging niemand ins Bett. Die einen kümmerten sich um den Austausch von Schläuchen, die anderen eilten auf Arbeit – zum Teil sogar ungeduscht."