Brandis/Borna. Eine neue Funktion hat der Brandiser Frank Mieszkalski übernommen. Seit März agiert der 59-Jährige als Beauftragter des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft (BVMW), zuständig für den ehemaligen Muldentalkreis. Deshalb gibt er auch den Vorsitz des SPD-Kreisverbandes ab.
Die Interessenvertretung der klein- und mittelständischen Unternehmen hat in der Region noch Nachholbedarf. Während in Leipzig mit über tausend Mitgliedsfirmen der größte Regionalverband des BVMW bundesweit agiert, gehören im ehemaligen Muldental nur rund 30 Unternehmen dem Zusammenschluss an. „Meine Aufgabe wird sein, die Betreuung der Firmen vor Ort zu verbessern, ihnen zum Beispiel geschäftliche Kontaktbörsen und thematische Veranstaltungen anzubieten", erklärt Mieszkalski. Natürlich gehe es auch darum, neue Mitglieder zu gewinnen, den Verband breiter aufzustellen.
In diesen Tagen tut der studierte Physiker und ehemalige Kommilitone von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor allem eins: Klinken putzen, Kontakte knüpfen. „60 Unternehmen zwischen Lossatal und Bad Lausick möchte ich in nächster Zeit besuchen", lautet die ehrgeizige Vorgabe. Zahlreiche Projekte habe er schon in der Schublade liegen. „Was sich umsetzen lässt, wird auch vom Interesse der lokalen Wirtschaft abhängen." Der neue Beauftragte betont, er verstehe sich dabei als Netzwerker. Antrittsbesuche unter anderem bei Landrat Gerhard Gey (CDU), der Wirtschaftsförderung des Kreises sowie der Handwerkskammer habe es schon gegeben.
Mieszkalski will sich dabei möglichst unbefangen in seine neue Aufgabe stürzen. Damit verbunden ist sein Rückzug von politischen Ämtern. „Beim nächsten Parteitag der Kreis-SPD werde ich deshalb nicht wieder für den Vorsitz kandidieren", kündigte Miezskalski gegenüber LVZ an. Auf Gabriele Hertel und Klaus-Dieter Tschiche war im April 2010 Frank Mieszkalski als Kreischef der Sozialdemokraten gefolgt. Nach zweijähriger Amtszeit stehe er für diesen Posten nun nicht mehr zur Verfügung, erklärte der Brandiser.
Der SPD-Vorstand sei darüber bereits informiert worden und habe Verständnis für seine Entscheidung gezeigt. Aktuelle Partei-Aufgaben würden bereits von seinen Stellvertretern Manuela Krause (Borna) und Thomas Glaser (Nerchau) wahrgenommen. Mit der Übernahme seiner neuen Tätigkeit in der Wirtschaft werde er sich „in den parteipolitischen Ruhestand" begeben. Dies verlange schon die Neutralität und Überparteilichkeit des BVMW. Der Polit-Haudegen bekennt allerdings auch, dass ihm aktuelle Entwicklungen den Abschied nicht sonderlich schwer machen. Es gehe, beklagt der langjährige Brandiser Bürgermeister, kaum noch um die besseren Argumente oder Sachthemen. „Stattdessen erleben wir Profilierung auf Kosten anderer. Und die Dominanz parteipolitischer Raufbolde, die zunehmend weniger meine Akzeptanz findet."
Wer die SPD in Zukunft führt, entscheiden die derzeit rund 350 Mitglieder des Kreis-Verbandes am 28. April beim Parteitag in Markranstädt. Zwei Bewerber haben ihre Kandidatur offiziell erklärt: der Bornaer Stadtrat und Anwalt Oliver Urban, zuletzt Landtagskandidat der Sozialdemokraten und damit 2009 unterlegener Herausforderer von Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU), außerdem Ingo Runge aus Grimma, ein politisch noch unbeschriebenes Blatt, von Beruf Vertriebsleiter der Deutschen Bahn AG in Leipzig. Urban hatte vor Kurzem bereits den Vorsitz im SPD-Stadtverband Borna von Manuela Krause übernommen.