Grimma/Kleinbothen. Im Horst auf dem Antennenmast wird wieder fröhlich geklappert. Nachdem der seit vier Jahren immer wiederkehrende beringte Storch bereits am 3. März das Nest erneut in Beschlag genommen hatte, ist nach über einem Monat ein zweiter Storch gelandet. „Wahrscheinlich ist es die langersehnte Partnerin aus dem Vorjahr", glaubt Vogelkundler Uwe Seidel.
Der 54-Jährige Kleinbothener wohnt in der Nähe des Horstes und kann das Paar aus 500 Meter Luftlinie beobachten. Obwohl er noch nicht alle Zahlen auf dem Ring des Männchens vollständig erkennen konnte, ist er überzeugt, dass es sich bei dem Tier um den bekannten Storch handelt. „Er ist immer einer der ersten in der Gegend", sagt er. Woher das Weibchen stammt, bleibt dem Experten verborgen. Es trägt keinen Ring. Aber aus dem Balzverhalten der beiden Vögel schlussfolgert er, dass sich ein vertrautes Paar gefunden hat. „Es gab ein fröhliches Geklapper, als sie endlich angekommen war", so Seidel weiter. Kurz darauf war die erste Vogelhochzeit vollzogen. Das passiere in diesen Tagen des öfteren. Deshalb ist der Horstbetreuer auch optimistisch, dass bald Eier im Nest liegen werden. Im vorigen Jahr seien die Störche mit zwei Jungen ausgeflogen.
Ein Storchenunglück vor rund zehn Jahren hat bei Seidel das Interesse für die Tiere geweckt. Im Kloster Nimbschen waren zwei Jungen verunglückt. Gemeinsam mit dem Kreisnaturschutzbeauftragten Bernd Holfter brachte Seidel die Tiere in den Storchenhof Loburg. In der Vogelschutzwarte waren die Tiere gesund gepflegt und ausgewildert worden. „Das war ein einschneidendes Erlebnis", sagte Seidel. Seitdem widmet er sich dem Natur- und Storchenschutz. Er registriert jedoch nicht nur, was auf dem Horst vor der eigenen Haustür passiert. Bei ihm laufen die Daten aus ganz Westsachsen zusammen, die er für die Naturschutzbehörden in Dresden aufbereitet. Die Daten sind unter anderem Grundlage für das vom Umweltministerium aufgelegte Artenschutzprogramm Weißstorch.
Anhand langer Zahlenreihen und Aufzeichnungen kann Seidel, der hauptberuflich im Außendienst tätig ist, das Treiben der Störche in Sachsen belegen. „Die Bestände schwanken sehr", sagt der Vogelkundler. So nisteten im vorigen Jahr im Freistaat 323 Storchenpaare, die 235 Jungtiere großzogen. Während die Zahl der Paare immer so um die 300 liege, gehe der Trend bei den Jungtieren nach unten. 2009 hatten die 329 Paare in Sachsen noch 550 Junge durchgebracht. „Sümpfe werden trockengelegt, Grünland umgewandelt – den Tieren fehlt das Futter für die Aufzucht", beklagt der Storchenexperte.
Trotzdem zieht es die schwarz-weiß gefiederten Vögel jedes Jahr wieder in die Region. Seit Anwohner 1993 den Horst auf einem alten Antennenmast in Kleinbothen errichteten, ist das Nest jedes Jahr bewohnt. „Durch die Nähe zur Mulde ist das der beste Horst im südlichen Raum", sagt Seidel. 34 Jungtiere seien seit Bestehen aus diesen Nest ausgeflogen. Das heutige Pärchen schickt sich an, diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen.