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Markkleeberg

Agra-Brücke bekommt im April Behelfsstützen

Diskussionsstoff: Rathauschef Bernd Klose mit Holger Jankowiak, Carsten Ahner und Uwe Rohland (von links) vom Straßenbauamt Leipzig.   Foto: André Kempner Diskussionsstoff: Rathauschef Bernd Klose mit Holger Jankowiak, Carsten Ahner und Uwe Rohland (von links) vom Straßenbauamt Leipzig.
Markkleeberg. Seit zehn Jahren steht fest, dass die Agra-Brücke gefährdet ist. Spannungsrisskorrosion – ein chemischer Prozess infolge Dauerbelastung – lässt den Beton bröckeln. Das Straßenbauamt Leipzig macht jetzt Druck. Noch 2010 soll die Planung für einen Ersatz abgeschlossen, 2011/12 neu gebaut werden – acht Meter breiter, ohne Lärmschutz und ohne Planfeststellungsverfahren. Im Stadtrat stieß das Vorhaben bei der Präsentation am Mittwochabend auf Widerstand.

 

„Die B 2 wurde in den 70er Jahren mit brachialer Gewalt durch die Agra getrieben. Damals konnten wir dies nur mit Trauer zur Kenntnis nehmen. Was uns jetzt angeboten wird, ist die Fortschreibung des Zustandes für mindestens 50 Jahre. Das können und wollen wir nicht hinnehmen.“ Selten fand ein Statement von Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) so viel Zustimmung – bei allen Fraktionen und den etwa 50 Gästen.

Zuvor hatten die Vertreter des Straßenbauamtes – Abteilungsleiter Holger Jankowiak, sowie die Referatsleiter Carsten Ahner (Konstruktiver Ingenieurbau) und Uwe Rohland (Recht und Grunderwerb) – das Projekt vorgestellt. „Wenn wir den Verkehr aufrechterhalten wollen, müssen wir schnell handeln“, erklärte Ahner. Das 357 Meter lange, 24 Meter breite und durch 21 Pfeiler getragene Bauwerk weise bedrohlich große Risse auf. Ein Komplettversagen könne nicht mehr ausgeschlossen werden. Schon im April müssten zwei Brückenabschnitte behelfsmäßig abgestützt werden.

„1998 glaubten wir mit der Sanierung alle Schäden beseitigt zu haben. Dank neuer Forschungsergebnisse war uns aber bereits 2000 klar, dass der Überbau und 2007, dass auch die Lagerung nicht zu retten ist“, so Ahner. Inzwischen wurde die Brücke in die höchste Gefährdungsklasse eingestuft und im vergangenen Jahr die Planung für einen Neubau in Angriff genommen. „Wir haben festgestellt, dass die Kosten für eine Erhaltung drei Viertel, der für einen Neubau veranschlagten Summe betragen würde. Entsprechend unserer Richtlinien ist damit die Entscheidung gegen eine Überholung der alten und zugunsten einer neuen Brücke gefallen“, verkündete Ahner. Für Unverständnis und Unruhe sorgte im Großen Lindensaal wenig später die Erkenntnis, dass die Behörde keine Alternative zum geplanten 31,60 Meter breiten, 5,50 Meter hohen und von 17 Stützen gehaltenen Bauwerk in petto hat. Aber genau das fordern Stadt und Anwohner seit Monaten.

„Für eine zehn Meter abgesenkte Trasse müsste der Freistaat inklusive der Anbindungen Goethesteig und S 46 sowie einer Umleitung der Mühlpleiße nach grober Schätzung 100 Millionen Euro aufbringen. Für den Neubau sind dagegen nur 10 bis 15 Millionen notwendig“, betonte Jankowiak und machte deutlich, dass für den Entwurf auf Unterlagen aus Zeiten der Olympiabewerbung zurückgegriffen wurde. Damals hatten die Verantwortlichen mit einer Stadtautobahn 720 geliebäugelt. Doch daran sei bis 2020 nicht zu denken, sagte Ahner. Dennoch werde die Brücke mit zwei Standstreifen autobahntauglich sein. In die Untersuchungen wurden die zu erwartenden Verkehrsströme der A 38 und A 72 – rund 50 000 Fahrzeuge pro Tag – einbezogen, hieß es.

Erst auf Nachfrage äußerte sich Jankowiak zur Bauphase: „Wir rechnen pro Richtungsfahrbahn mit einem Jahr Bauzeit. Der Verkehr fließt dann auf der gegenüberliegenden Fahrbahn jeweils einspurig.“ Der Ausweis einer separaten Umleitungsstrecke sei nicht vorgesehen. Ebenso wie es nach Fertigstellung keinen Lärmschutz – weder aktiven noch passiven – geben wird. „Die Voraussetzungen sind laut der 16. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz nicht erfüllt. Der Verkehr rückt nur vier Meter Richtung Stadt“, sagte Rohland und erntete lautstarken Protest.

Zudem stellte er klar, dass das Vorhaben im kommenden Jahr begonnen werden und 2012 fertig sein soll – „ohne langwieriges Planfeststellungsverfahren“. Ansonsten müssten Pendler zeitnah mit erheblichen Einschränkungen leben. Von dem vorausgesetzten Einvernehmen sind die Beteiligten derzeit aber weit entfernt. Alle Fraktionsvorsitzenden und die zahlreich zu Wort gekommenen Markkleeberger wie Leipziger Bürger drängten vehement auf eine Alternativlösung.

 
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