Markkleeberg. Voraussichtlich im Juli soll der Kurs 1 des Gewässerverbundes – die schiffbare Verbindung zwischen Leipziger Stadthafen und Cospudener See – eröffnet werden. Die derzeit im Floßgraben nahe des Ziegeleiweges laufenden Vorbereitungen rufen allerdings Naturschützer und die Bürgerinitiative „Stopp Privatisierung am Cospudener See“ (BI) auf den Plan. Sie wollen möglicherweise einen Baustopp erzwingen.
„Der Floßgraben war bisher ein schönes Fließgewässer in einem Landschaftsschutzgebiet. Dort lebte bis vor wenigen Wochen der Eisvogel. Durch die gravierende Veränderung des Steilufers, Baumfällungen und das Abtragen der Unterwasservegetation handelt es sich nicht mehr um eine einfache Unterhaltungsmaßnahme, sondern eine genehmigungspflichtige Baumaßnahme“, betonte gestern BI-Sprecherin Monika Heinrich. Bei derart massiven Einschnitten in die Natur sei ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Ausgleichsbilanzierung gesetzlich vorgeschrieben, glaubt sie. Nico Singer, Geschäftsführer des Ökolöwen, prüft aktuell rechtliche Schritte gegen den aus seiner Sicht „widerrechtlichen Ausbau“ des Floßgrabens. „Auch wenn jetzt nicht direkt im Landschaftsschutzgebiet gearbeitet wird, so hat die Maßnahme doch erhebliche Auswirkungen auf das Fauna-Flora-Habitat Leipziger Auensystem und das Special Protection Area Leipziger Auwald. Schließlich wird das Kiesbett der Elster beschädigt“, so Singer. Er habe nichts gegen die touristische Nutzung, „aber wir müssen vor solchen Eingriffen gehört werden“.
„Entspannt“ reagiert man derweil im Markkleeberger Rathaus, wie Sprecher Daniel Kreusch versicherte. „Bei den noch bis zum 30. April andauernden Arbeiten am Floßgraben handelt es sich um reine Gewässerunterhaltung und Gefahrenabwehr. Dafür liegt selbstverständlich eine Genehmigung in Form eines naturschutzfachlichen Einvernehmens des Kreis-Umweltamtes vor“, betonte Kreusch. Er erläuterte, dass sich die geplanten Aktivitäten auf insgesamt rund 400 Metern Länge in zwei Bauabschnitte gliedern. „Der erste erstreckt sich beginnend vom Ableiter aus dem Waldbad Lauer bis zur Kläranlage am Wolfswinkel, der zweite weiter bis zur Leipziger Stadtgrenze“, so Kreusch. Dabei würden Schlamm und Unkraut beseitigt sowie Bäume entfernt, sofern sie künftig für Wassersportler und Gäste des Leipzig-Bootes gefährlich werden können. Die Maßnahme kostet nach Angaben von Kreusch zirka 240 000 Euro. Die Stadt Markkleeberg beteiligt sich mit 80 000 Euro.