Markkleeberg. Auf dem Kickertisch schießen die Plastikfußballer, bewegt von zahlreichen Jungen, rund um die Uhr Tore. Daneben sitzen einige Mädchen bei Gesellschaftsspielen, und eine Etage höher stählen die Jugendlichen ihre Bauch- und Armmuskeln. Pausen gibt es im Jugendklub „Spinne“ in der Spinnereistraße nicht. Hier ist immer etwas los. Doch das alles steht derzeit auf wackligen Füßen.
Denn durch die Kürzung der Jugendpauschale könnten viele Projekte in Zukunft nicht mehr umgesetzt werden. „Und im allerschlimmsten Fall droht sogar die Schließung“, sagt Michael Weist, der Leiter der Einrichtung.
Weist arbeitet erst seit einem halben Jahr in der Spinne und muss sich nun schon mit dem Thema der knapper werdenden finanziellen Mittel beschäftigen. Eigentlich konnten, seit der 24-Jährige hier das Ruder übernommen hat, sogar einige Angebote ausgeweitet werden. So wurden beispielsweise aus einem Basteltag drei in der Woche. Rund 300 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 21 Jahren nutzen die Räumlichkeiten jeden Monat. Doch wenn die Kürzung der Pauschale tatsächlich beschlossen wird, werden wohl einige Angebote leiden. „Die Projektförderung ist vollkommen unklar, eventuell müssen wir über Stundenkürzungen nachdenken und neue Angebote erst einmal auf Eis legen“, macht Weist die Auswirkungen deutlich. Der Jugendbereich werde ohnehin seit Jahren sträflich vernachlässigt, obwohl jeder sage, dass gerade da mehr getan werden müsse. „Da ist es völlig unverständlich, wenn noch weiter gekürzt wird.“
Doch allen Bedenken zum Trotz versucht sich der Jugendklub derzeit an zwei Neuerungen. Zum einen soll es im April versuchsweise eine Öffnung auch am Sonnabend geben, zum anderen wird eine spezielle Mädchen- und Jungenarbeit ins Programm aufgenommen. Die angedachte Sonnabendöffnung resultiert aus der regen Nachfrage während der Winterferien. Außerdem haben bereits zahlreiche Jugendklubbesucher den Wunsch geäußert, auch am Wochenende die Spinne zu nutzen. Weist ist optimistisch, dass der Sonnabend im April ein voller Erfolg wird und sich die Öffnung auch an diesem Tag auf Dauer durchsetzen kann.
Zusätzliche Kosten würde das für die Einrichtung nicht bedeuten. Auch die Mädchen- und Jungenarbeit, die demnächst beginnen soll, käme ohne weitere finanzielle und personelle Kosten aus. In nach Geschlechtern getrennten Gruppen geht es um die Themen, die besonders für Mädchen und Jungen interessant sind. „Wir werden zum Beispiel die unterschiedlichsten Berufe vorstellen, es wird Nachmittage zum Thema Drogen geben und natürlich auch zu Sexualität und Liebe“, erklärt Weist, der diese Gesprächsrunden selbst leiten wird. Unterstützt werde er dabei von Experten in den entsprechenden Bereichen.
Weist könnte sich noch viel mehr an Neuerungen vorstellen. Ein Billardtisch, ein Übungsraum für Markkleeberger Bands und und und. In Anbetracht der drohenden Kürzungen der finanziellen Mittel sind das aber auf absehbare Zeit Wunschträume. Weist wäre schon froh, wenn er trotz möglicher Kürzungen die Angebote beibehalten könnte.