Markkleeberg
„Mit nett und freundlich wird es nicht gehen“
Ulrike Witt
Foto: Andrè Kempner
Vereinsvorsitzender Karsten Schütze (rechts) und Schatzmeister Dirk Seelemann vor einem der beiden Postkartenentwürfe.
Markkleeberg. In Markkleeberg wurde am Donnerstagabend der Verein „Pro Agra-Park“ gegründet. Ziel der 30 Mitglieder ist die Wiederherstellung des Herfurth’schen Landschaftsparks – besser bekannt als Agra-Park – in seiner historischen Form. Um dies zu erreichen, soll die marode Brücke im Zuge der B 2/B 95 durch einen gedeckelten Einschnitt ersetzt werden. Den vom Freistaat Sachsen geplanten Brückenneubau lehnt der Verein ab.
Zum Vorsitzenden wurde erwartungsgemäß SPD-Stadtrat Karsten Schütze gewählt. Der Gymnasiallehrer hatte im Herbst das gleichnamige Bürgerbündnis „Pro Agra-Park“ ins Leben gerufen. Der Schatzmeister heißt Dirk Seelemann. Der Landschaftsarchitekt hatte maßgeblich an der Bewerbung für die Landesgartenschau 2015 mitgearbeitet und ist in gleicher Funktion unter anderem beim Leipziger Verein „Neue Ufer“ tätig. Ergänzt wird der Vorstand durch sieben Beisitzer, darunter die ehemalige Geschäftsführerin und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende der Agra-Veranstaltungs-GmbH, Brigitte Wiebelitz, sowie Heike Werner, Landtagsabgeordnete der Linken.
„Wir müssen unsere Aktivitäten rechtlich und finanziell absichern und das ist nur mit einem Verein möglich“, begründete Schütze den formalen Gründungsakt im mit über 50 Leuten gut gefüllten Kleinen Lindensaal. „Wir sehen uns aber nicht als Protestverein, sondern wir wollen Werbung für die von der Stadt Markkleeberg angestrebte Tunnellösung machen, die schon jetzt von weiten Teilen der Bürgerschaft unterstützt wird“, stellte Schütze klar. Und die Zeit dränge. „Bei dem aktuellen Zustand der Agra-Brücke gehe ich davon aus, dass mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren eröffnet wird“, so Schütze.
Der 45-Jährige stellte zwei Entwürfe einer Postkarte vor, die im März an alle Markkleeberger Haushalte gehen und anschließend mit Unterschrift an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sowie den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) geschickt werden soll. Wolfgang Kaiser, Eigentümer des „Parkschlösschens“, forderte als Gast der Gründungsversammlung „härtere Geschütze“. „Mit ein bisschen nett und freundlich wird es ganz sicher nicht gehen“, meinte er. Zudem kritisierte Kaiser die aus seiner Sicht vorhandene Trennung von Markkleeberger und Leipziger Interessen.
„Die Postkarte ist nur ein Anfang. Wir haben noch weit mehr vor: von Podiumsdiskussionen, über Demonstrationen bis hin zu Spendenaktionen. Schließlich müssen wir auch damit rechnen, dass wir anwaltliche Vertretung in Anspruch nehmen müssen“, sagte Schütze. Und er gestand: „Ich weiß, dass wir bislang mit unserer Tunnellösung in Dresden nicht ernst genommen werden.“
Zur Gründung und Wahl gratulierte Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD). „Es ist wichtig, dass neben der Stadt auch der Verein aktiv wird“, sagte der Rathauschef. An Kaiser gerichtet, betonte Klose: „Das ist kein Verein für Markkleeberg, sondern ein Verein für den Agra-Park. Leipziger sind herzlich willkommen.“ Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.pro-agra-park.de.
© LVZ-Online, 10.02.2012, 16:46 Uhr