Markkleeberg
Schnelles Internet bis Ende 2013
Ulrike Witt
Foto: Andrè Kempner
Das Landleben im Zwenkauer Ortsteil Zitzschen hat einen Haken – die Bewohner sind bislang vom schnellen Internet abgeschnitten.
Zwenkau. Das Ingenieurbüro Planernetzwerk Pla.Net hat im Beisein von Bürgermeister Holger Schulz (CDU) und Bauamtsleiterin Steffi Gebauer die Bedarfs- und Verfügbarkeitsanalyse zur Breitbandversorgung für Zwenkau und die Ortsteile vorgestellt. Wie groß das Interesse am schnellen Internet ist, zeigte sich an den voll besetzten Stuhlreihen im Ratssaal.
Nach der Auswertung steht fest: Etwa 75 Prozent der Zwenkauer Haushalte haben Zugriff auf das schnelle Breitbandinternet. Von den 3300 Haushalten liegen allerdings nur 150 in den Ortsteilen, das Gros in der Kernstadt. Aus wirtschaftlichen Gründen dramatischer ist die Unterversorgung der Unternehmen: Von 750 Firmen, sind nur 210 versorgt, 540 haben hingegen Bedarf angemeldet. Betroffen sind insbesondere Betriebe in Großdalzig, Rüssen-Kleinstorkwitz, Tellschütz und Zitzschen.
Als schnelles Internet werden auf Basis der Förderrichtlinien zur Integrierten ländlichen Entwicklung (Ile) Bandbreiten ab zwei Megabit pro Sekunde bezeichnet. Die Leistung muss dauerhaft zu marktüblichen Preisen anliegen, was Holger Schilke von Pla.Net als „ambitioniertes Ziel“ bezeichnete. Eine Technologie sei nicht vorgeschrieben – Kabel- und Funklösungen gleichermaßen möglich. Gebiete, die nach den Vorgaben als unterversorgt gelten, sind gemäß der Ile-Richtlinien förderfähig. 90 Prozent stellt der Freistaat Sachsen bereit, zehn Prozent muss die Kommune an Eigenmitteln beisteuern. Allerdings kommt die Förderung nur in Frage, wenn kein Telekommunikationsanbieter den Netzausbau für die nächsten 36 Monate garantieren kann.
„Die Versorgungslage gestaltet sich in Zwenkau sehr unterschiedlich“, betonte Schilke. Während das schnelle Internet in der Kernstadt dank des Hauptverteilers der Deutschen Telekom in der Arthur-Mahler-Straße weitgehend verfügbar sei, sinke die Leistung in den Ortsteilen mit der Entfernung. Laut Schilke ist Großdalzig „komplett unterversorgt“, dazu gehören zwei Landwirtschaftsbetriebe und die evangelische Kita. Der Nachbarortsteil Kleindalzig profitiert etwas von der Nähe zu Zwenkau und wurde von Pla.Net als „nicht ausreichend versorgt“ eingestuft. Löbschütz wiederum ist zweigeteilt: In der Ortslage können die Bewohner das schnelle Internet nutzen, am Rand, wo landwirtschaftliche Betriebe ihren Sitz haben, nicht. Generell unterversorgt ist Rüssen-Kleinstorkwitz. Das bekommen die Christliche Montessori-Ganztagsschule, die Kita „Bunte Schmetterlinge“ und etliche Betriebe zu spüren. Nicht anders sieht die Situation im 7,5 Kilometer vom Hauptverteiler entfernten Tellschütz und in Zitzschen aus. Der Ortsteil ist ganze fünf Kilometer von der Arthur-Mahler-Straße weg.
Probleme gibt es aber auch in Zwenkau, so in der südlichen Pegauer Straße, im Dalziger Weg und im Gutsweg. „Die Versorgung ist dort von Haus zu Haus ganz unterschiedlich, im Sinne des Musterleistungsbereiches daher nicht ausreichend“, so Schilke. Besonders gute Bedingungen finden Investoren derweil im neuen Stadtteil rund ums Kap vor.
Das Fazit für Zwenkau und seine Ortsteile: Etwa 1105 Haushalte haben derzeit keinen Zugang zum Breitbandinternet. Förderfähig sind definitiv die Ortsteile Großdalzig, Rüssen-Kleinstorkwitz und Tellschütz. Bürgermeister Schulz versprach im Ratssaal, dass die Stadt Zwenkau Fördermittel beantragen werde. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr, da die Ile-Fördertöpfe ausgeschöpft seien. Klar ist, dass sich die Zwenkauer noch mindestens anderthalb Jahr gedulden müssen. Denn allein das Ausschreibungsverfahren dauert zirka sechs Monate, weitere zwölf Monate der Ausbau. Den Zuschlag wird der Anbieter erhalten, der die wenigsten Fördermittel benötigt. „Mit etwas Glück sind wir Ende 2013 an die Welt angeschlossen“, meinte Dirk Posner von der Bürgerinitiative für schnelles DSL aus Rüssen-Kleinstorkwitz
© LVZ-Online, 17.04.2012, 17:56 Uhr