Markkleeberg
Spärliche Beteiligung an Sternmarsch zum ehemaligen Cospudener Tagebau
dpa
Foto: Thomas Thiel
Am 2. April 1990 trafen sich 10.000 Menschen am Rande des Tagebaus Cospuden im Leipziger Südraum. Es war die größte Umwelt-Demo in der untergehenden DDR.
Markkleeberg. Rund 80 Menschen haben sich am Samstag an einem
Sternmarsch zum Cospudener See im Leipziger Süden beteiligt. Mit der
Aktion wollten die Stadt Markkleeberg und Leipziger Naturschützer an die
größte Umwelt-Demo in der untergehenden DDR erinnern. Vor 20 Jahren
waren 10.000 Menschen zum Sternmarsch „Stop Copsuden 90“ gekommen, der
das Ende des zerstörerischen Braunkohle- Tagebaus mit einläutete. Ralph
von Rauchhaupt, Sachgebietsleiter Kultur der Stadt Markkleeberg, nannte
die Beteiligung „enttäuschend“. Die Veranstalter hatten zumindest auf
mehrere hundert Teilnehmer gehofft. Aus dem Tagebau ist inzwischen ein
Badesee geworden.
Der rücksichtslose Braunkohle-Tagebau in der DDR trieb 1989/90 immer mehr Bürger zum Protest. Am 2. April 1990 trafen sich 10.000 Menschen am Rande des Tagebaus Cospuden im Leipziger Südraum. „Die Initiative hatte das Ziel, den Tagebau anzuhalten - und zwar schnellstmöglich“, erzählt Organisator Wolfram Herwig.
Längst sind die meisten Spuren des Tagebaus getilgt. Aus der Kraterlandschaft ist mit Hilfe des Bundes der Cospudener See geworden, „Leipzigs beliebteste Badewanne“. 1990 war davon noch nichts zu erahnen. Der Tagebau hatte sich an die Grenzen der Stadt Markkleeberg herangefressen, Leipzig war nah. „Die Situation war so bedrückend damals“, sagt Sabine Hübert. „Die Luft war so dreckig, meine beiden Kinder hatten ständig Atemwegserkrankungen.“ Mit ihrem Mann nahm sie am Protest teil.
Hübert berichtet, die Verantwortlichen seien den Bürgern mit Arroganz begegnet. Auch Herwig sagt, der Direktor des Braunkohle- Kombinats habe sich einfach über Entscheidungen hinweggesetzt. Erst als ein Bürger klagte und dem Direktor ein Zwangsgeld von 10.000 Mark angedroht wurde, habe er eingelenkt. „Es war alles so ungewiss; man wusste gar nicht, inwieweit Beschlüsse von Gremien überhaupt akzeptiert wurden“, erzählt Herwig.
Die Beteiligung am Sternmarsch „Stop Cospuden 90“ nennt Herwig „beachtlich“, sagt aber auch: „Nicht die Demo hat den Tagebau angehalten.“ Sie war ein Teil des Puzzles, genauso wie eine Unterschriftensammlung. „Wir waren nicht so blauäugig als Bürgerinitiative zu glauben, dass wir den aktiven Tagebau aus dem Stand stoppen können“, sagt der 64-Jährige. Im Oktober 1992 war es dann aber soweit: der letzte Kohlenzug rollte aus dem Tagebau. 1994 begann die Flutung. Und seit 2000 darf im Cospudener See gebadet werden. Die Landschaft südlich von Leipzig mit etlichen weiteren Tagebau-Restlöchern erholt sich.
© LVZ-Online, 20.03.2010, 19:36 Uhr