Markranstädt
Europas oberster Laubenpieper besucht Schulgarten
Jan Iven
Foto: André Kempner
Stolz zeigen die Schüler der Klasse 3a der Grundschule Markranstädt dem Präsidenten des europäischen Kleingärtnerverbandes, Chris Zildeveld, ihren Schulgarten.
Markranstädt. Klappern gehört für Chris Zijdeveld, zum Handwerk. „Wir Kleingärtner sollten der Welt viel öfter erzählen, was wir für eine wichtige Arbeit leisten", sagte der Präsident des europäischen Kleingärtnerverbandes bei einem Besuch im Schulgarten der Grundschule Markranstädt am Dienstag. Nach einem Kongress der Schleswig-Holsteinischen Kleingärtner in Brunsbüttel hatte der 67-jährige Niederländer extra einen Abstecher nach Sachsen gemacht, um sich die Kleingartenanlage Markranstädt Ost anzuschauen. Denn der dortige Schulgarten soll als Vorzeigeprojekt bei einem Laubenpiepertreffen in Berlin in einer Broschüre vorgestellt werden.
„Diese Arbeit ist so wichtig, weil Kinder lernen müssen, dass Gemüse im Boden wächst und nicht im Supermarkt", sagte der ausländische Gast in perfektem Deutsch und ließ sich von den Schülern der Klasse 3 a den Garten mit Teich, Beeten, Insektenhotel und grünem Klassenzimmer zeigen. Stolz erläuterten die Kleinen ihr Getreidefeld, auf dem sie Weizen und Gerste anbauen. „Nur der Roggen ist uns leider wegen der Kälte eingegangen", sagte der neunjährige Florian. Aussähen, gießen, ernten – selbst das Unkrautjäten erledigen die Kinder im Rahmen des Schulgartenunterrichts mit Begeisterung. Seit 2001 betreuen die vier Klassen der Grundschule das Projekt. „Die Gartenarbeit ist echt toll, weil wir alles selber machen können", sagte Elina.
Natürlich wird das geerntete Gemüse auch gegessen. Besonders beliebt sind Kartoffeln und Quark mit Kräutern aus dem eigenen Garten. Für Klassenlehrerin Heike Löschner ist wichtig, dass die Schüler lernen, wo das Essen her kommt. „Zudem können Schüler, die eher praktisch veranlagt sind, hier einmal stärker ihre Talente in den Unterricht einbringen", sagte sie. Präsident Zijdeveld sieht den Bildungsauftrag des Schulgartens noch umfassender. „Die Kinder müssen lernen, was in der Natur passiert." Auch auf Probleme wie das Bienensterben oder Gen-Saatgut müsste aufmerksam gemacht werden. „Wir Kleingärtner bauen mehr unterschiedliche Sorten an als die Landwirtschaft und tragen damit stark zur Erhaltung der Artenvielfalt bei." Und das alles ganz selbstverständlich in ehrenamtlicher Arbeit. „Darauf sollten wir selbstbewusst, frech und sogar unverschämt hinweisen", ließ er es noch einmal ordentlich klappern.
© LVZ-Online, 18.05.2012, 17:19 Uhr