Markranstädt
„Wir müssen die Erinnerungen an die Jugend weitergeben“
Bert Endruszeit
Foto: André Kempner
Bürgermeisterin Carina Radon und der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Fritzsche legen am Ehrenmal auf dem Markranstädter Friedhof einen Kranz nieder.
Markkleeberg/Markranstädt An die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde gestern erinnert. Im Markkleeberger Equipagenweg legten Landrat Gerhard Gey (CDU) und Sozialamtsleiter Wolfgang Heinze einen Kranz nieder. Dort befand sich ein Außenlager des KZ Buchenwald, in dem vom September 1944 bis zum April 1945 mehr als 1500 Frauen und Mädchen eingekerkert waren.
„Es ist wichtig, dass Zeitzeugen und wir Erwachsene die Erinnerungen aufrecht erhalten und an die Jugend weitergeben“, sagte Bürgermeisterin Carina Radon (CDU) auf der Kranzniederlegung in Markranstädt. „Denn eine aktuelle Umfrage belegt erschreckend, dass nur jeder fünfte unter 30 etwas mit dem Begriff Auschwitz anfangen kann, jedoch 95 Prozent der über 30-Jährigen. Das unterstreicht, wie wichtig Erinnern ist.“
Siegfried Prosoll kam 1945 aufgrund der Kriegswirren von Polen nach Markranstädt. „Ich wünsche mir, dass wir das Gedenken nicht nur über die Kriegszeit bewahren, sondern auch über die Zeit davor. Die Uneinigkeit der demokratischen Kräfte vor 1933 verhinderte einen gemeinsamen Kampf.“ Deshalb sei es wichtig, gemeinsam zu gedenken und neues Unrecht zu verhindern.
In Markranstädt wird derzeit der Leidensweg jüdischer Familien untersucht. So ist auch ein Mitstreiter des Kinderfestvereins deportiert worden. Er und seine Frau wurden ermordet, nur der Sohn überlebte. „Solche Schicksale werden gemeinsam mit unserem Heimatmuseum aufgearbeitet“, kündigte Stadtsprecherin Heike Helbig an.
© LVZ-Online, 27.01.2012, 17:56 Uhr