Zum Tanz trafen sich nicht nur die Schkeuditzer Anfang der 1930er-Jahre im sogenannten Glaspalast am Flughafen Halle/Leipzig. Immer mittwochs und an den Wochenenden wurde hier auch abends das Tanzbein geschwungen. Hell erleuchtet war das Flughafenrestaurant vom Geburtshaus Kurt Stahns von der Oststraße aus zu sehen: „Wir haben es Aquarium genannt", sagte der 91-Jährige schmunzelnd und mit der Erinnerung an das nächtliche Bild.
Entworfen hatte den Bau der Schweizer Architekt Hans Wittwer, der Professor an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle und hier, wie sein Vorgänger Professor Paul Thiersch, Lehrer der Fachklasse für Architektur und Raumausstattung war. 1929 wurde Wittwer mit der Bitte der Flughafen-Betreibergesellschaft konfrontiert, ein neues Abfertigungsgebäude zu entwerfen. Der existierende Bau, das provisorische Verwaltungsgebäude aus Holz, war von Ungeziefer befallen, bot nicht mehr genügend Platz, und es hagelte Beschwerden von den Piloten, die hier auf den nächsten Start warteten.
Für ein Großprojekt war jedoch nicht genügend Geld da und so wurde ein zweites Projekt von Wittwer gefordert, das in separate Baukörper aufgeteilt und damit auch in Etappen gebaut werden konnte. Im Juni 1930 war Baubeginn des Flughafen-Restaurants, das als erstes Gebäude in Angriff genommen werden sollte. Dafür wurde eine künstliche Bodenerhebung geschaffen, so dass der Bau im Bauhausstil zur einen Seite zwei, zur anderen drei Geschosse hatte. Das Obergeschoss war komplett mit violetten Scheiben verglast und bot freie Sicht auf das Rollfeld. Auf einer vor dem Gebäude angelegten Freifläche wurde gespeist und sogenannte Eintänzer kümmerten sich um die betuchte Damenwelt.
„Ich kann mich an einen sehr schmucken Eintänzer erinnern, für den wohl jedes Mädchen schwärmte. Herr Müller hieß er, war immer in schickem Anzug und hatte vollendete Manieren. Ob er tatsächlich so hieß oder sich nur so nannte, das weiß ich nicht", sagte der damalige Teenager Stahn. Ebenfalls aus der halleschen Kunstgewerbeschule stammte das Restaurant-Geschirr. Ein Kännchen der späteren Ausstattung ist im Schkeuditzer Stadtmuseum zu sehen. Kurios: Auf der Rückseite der Griffe war eine Diebstahlsicherung eingestanzt: „Gestohlen im" über dem Flughafen-Logo war da zu lesen und schreckte sicher manche Souvenir-Jäger ab.
Weitere, von Wittwer entworfene Bauten wurden nicht mehr realisiert. Von den Nazis wurde er 1933 aus dem Amt vertrieben und ging ins Exil zurück nach Basel.