„Es hat eine öffentliche Ausschreibung gegeben und eine hallesche Firma hat den Zuschlag bekommen", erinnert sich der 91-jährige Schkeuditzer Kurt Stahn, als es um den Bau des neuen Verwaltungsgebäudes am Flughafen Halle/Leipzig ging. Noch heute ist das im Frühjahr 1938 der Nutzung übergebene Abfertigungsgebäude mehr denn je fester Bestandteil der Flughafenstadt: Die Schkeuditzer Airline Aerologic hat im Gebäude ihren Sitz.
Der Projektauftrag, ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen, wurde dem Regierungsbaumeister außer Dienst Roediger 1936 erteilt. Alle Einrichtungen und Dienststellen, die zur Abwicklung des Flugdienstes und des Passagierverkehrs notwendig waren, sollte der Neubau aufnehmen. Zuvor hatte es erhebliche Beschwerden über den provisorischen Verwaltungsbau auch wegen Ungeziefer-Befalls gegeben.
Am neuen Verwaltungsgebäude wurde im Herbst 1936 mit dem Bau begonnen. Schon im April 1937 sollte die Eröffnung sein. Doch die immer spürbarer werdende Mangelwirtschaft, die mit der forcierten Aufrüstung einherging, machte sich bemerkbar. Da das dreistöckige Gebäude als Stahlskelettbau konzipiert war und es nicht gelang, entsprechende Eisenkontingente zu beschaffen, verzögerte sich der Bau um ein Jahr. Richtfest wurde dann am 24. Juli 1937 gefeiert, einen Monat später war der Bau zumindest zu Teilen nutzbar, 1938 war er vollständig fertig.
Der etwa 1,5 Millionen Reichsmark teure, knapp 90 Meter lange, 29 Meter breite und zwölf Meter hohe Bau war mehr als sechsmal so groß, wie der vorherige Verwaltungsbau, welcher nach der Inbetriebnahme des neuen Gebäudes abgerissen wurde. Überragt wurde das neue Gebäude vom auch heute noch zu sehenden, 20 Meter hohen Turm, in dem sich die Wetterstation befand.
„Die Zimmermannsarbeiten führte die in Schkeuditz gut bekannte Firma Jeßnitzer aus", erinnerte sich Stahn, der selbst vorübergehend bei der Firma arbeitete. „Es durften beim Bau keine Metall-Nägel verwendet werden. Die hätten die empfindlichen Geräte der Station beeinflusst. Deshalb wurden Holz-Nägel genommen", sagte Stahn. „Die Wetterstation war bekannt und wurde noch nach dem Krieg eine geraume Zeit im Radio mit genannt", erinnerte sich der Schkeuditzer.