Schkeuditz
Problem: Rechtsextremismus
Roland Heinrich
Schkeuditz. „Wir haben ein Problem mit Rechtsextremen“, gibt Schkeuditz’ Oberbürgermeister Jörg Enke (FW) zu. Erst während des Stadtfestes kam es zu einem Angriff auf einen 18 Jährigen, der anschließend ins Krankenhaus gefahren werden musste. Beim jüngsten Treffen des Kriminalpräventiven Rates kam das Problem mit Anhängern der Rechtsextremen Szene zur Sprache.
„Auch wenn linksextreme oder andere demokratiefeindliche Gruppen in dieser Art auftreten würden, würden wir zu diesen Maßnahmen greifen“, betont Andreas Pohle, Streetworker vom Schkeuditzer Jugendclub Neue Welle. Schon sechs Mal wurden hier die Fensterscheiben zerstört. Eindeutige Schmierereien und Aufkleber mit rechtsextremen Inhalt gab es hier schon oft. Mit den „Maßnahmen“ meint Pohle ein erteiltes Hausverbot und dessen nochmalige Aufrechterhaltung für ein halbes Jahr. Es betreffe einen Schkeuditzer Jugendlichen, der durch Äußerungen, Kleidung und Buttons eindeutig der Rechtsextremen Szene zuzuordnen sei, so Pohle.
Seit Anfang des Jahres seien drei Schkeuditzer im Club aufgetaucht und regelmäßig wiedergekommen, berichtet der Streetworker. Mit subtilen Einwürfen bei Diskussionen und gezielten Gesprächen mit anderen Nutzern der Einrichtung hätten sie versucht, andere auf ihre Gesinnungs-Seite zu ziehen, was teilweise fruchtete, schildert Pohle. „Erste Prämisse bei uns ist es, wertschätzende und angstfreie Räume zu bieten. Demokratiefeindliche Gruppen können wir hier nicht zulassen“, betont der Jugendclub-Mitarbeiter. Dass der Club dabei breite Rückendeckung vom Träger Volkssolidarität, von der Stadtverwaltung und von der Polizei erhält, freut Pohle.
„Was hier vorgefallen ist, ist ein Skandal“, berichtet Lukas Lerch von einem Vorfall während des Stadtfestes: Sein 18-jähriger Freund wurde von einer sechsköpfigen Personengruppe angepöbelt. Ein Gespräch mit den eindeutig der Rechtsextremen Szene zuzuordnenden war nicht möglich. „Trotzdem versuchten wir ihnen aus dem Weg zu gehen und taten was sie wollten“, berichtet Lerch. „Nach einer Verfolgungsjagd an den Menschenmassen vorbei, erwischten die Neonazis meinen Kumpel und traten ihn zusammen. Besorgte Bürger rannten uns zu Hilfe. Die Rainbow Security tat erst mal nichts. Laut Aussage der Sanitäter wurde meinem Kumpel massiv gegen der Schädel getreten“, ist Lerch noch immer schockiert.
Die Polizei berichtete nur von zwei kleineren Tätlichkeiten in der Nacht zum Sonntag. Ansonsten lief das Stadtfest „ganz normal“.
© LVZ-Online, 02.07.2010, 10:47 Uhr