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Schkeuditz

„Prêts? Allez!“ – „Fertig? Los!“

Radefeld. „Prêts?“ fragt der Schiedsrichter. Die Fechter nicken. „Allez!” Übersetzt heißt das so viel wie „Fertig? Los!“ Und es geht los. Schritt vorwärts und rückwärts, Doppelschritt vorwärts und rückwärts, Sprung, wieder rückwärts. Die Stellung wirkt konzentriert, langsames Nähern und schnelles Handeln. Das Florett vollführt gerade Stöße, schlägt die Klinge des Gegners beiseite und verteidigt sich mit Gegenstoß.

Am Sonnabend veranstaltete der Fechtclub Schkeuditz das 9. Schkeuditzer Flughafenturnier. Die Vorentscheide fanden in der Fest-und Sporthalle in Radefeld statt. Wer sich hier im Einzel- und Mannschaftsturnier gegen die 128 Mitstreiter und Mitstreiterinnen beweisen konnte, fuhr zur Finalveranstaltung in der Check-in-Halle des Flughafens Leipzig/Halle. Die Fechter der A-Jugend (Altersklasse 1993 bis 1997) kamen in diesem Jahr aus Deutschland, Polen, Tschechien und Lettland.

 

FOTOSTRECKEN

 

Unter den Teilnehmern ist auch Scarlett Potratz aus Halle-Neustadt, eine Fechterin des Fechtvereins FC Schkeuditz. Ursprünglich kommt die 16-Jährige aus der rhythmischen Sportgymnastik. Im Alter von sechs Jahren empfand ihr Trainer sie als zu dick und empfahl dem Kind eine Diät.  Heute lacht das schlanke Mädchen über diese Äußerung: „Dann wollte ich eben kein Turnen mehr machen, sondern wie mein Bruder lieber fechten.“

Die Schülerin begann ihr Training in Halle, wechselte 2008 nach Schkeuditz. Viermal die Woche wird sie von ihrer Mutter Ulrike zum Training gefahren. Anfänglich nicht begeistert, nahmen die anderen Sportler die Schülerin auf. „Wir konnten sie nicht leiden, weil sie nach Siegen immer so jubelte“ scherzt Wiebke Bäsler. Das darauffolgende Trainingslager nach Polen war mit Streit und Neid belegt. Jetzt sitzt Scarlett mit Sabine, Sarah und Wiebke auf der Holzbank nebeneinander. Sie kichern, lästern und drücken ihren Kameraden die Daumen.

Auf die Frage, wer denn die beste im Verein wäre, senkt Potratz bescheiden den Kopf, während ihre Vereinskollegin Sabine Enke entschieden mit dem Finger auf sie zeigt. „Die kriegt sie alle mit ihrer Technik“ ruft die 14-Jährige, „beim Duell zieht sie ihren Arm immer sehr schnell zurück, das ist schlecht für den Gegner zu parieren.“ Und Potratz’ Glück. Momentan befindet sich das Mädchen mit Lena Müller auf Platz 1 der sächsischen Rangliste. In drei Minuten reiner Kampfzeit muss Potratz ihren Gegner genau fünfmal mit dem Florett am Oberkörper treffen, um zu siegen.

In der Sporthalle werden dreizehn Bahnen zum Austragen der Wettkämpfe bereit gestellt. Auf jeder Planche fechten sechs Sportler eines Geschlechts gegeneinander. In Scarletts Gruppe sind es leider nur fünf, was bedeutet, dass sich bei einer Niederlage ihre Chancen auf einen Gesamtsieg gegenüber den Sechser-Gruppen minimieren.

Durch den Lautsprecher der Halle erklingt ihr Name und der vier weiterer Kämpferinnen. Das Mädchen setzt ihre Fechtmaske auf, zieht den Handschuh über die rechte Hand und hält das Florett bereit. Sie sieht nun aus wie jeder Teilnehmer in der Halle, mit einem Unterschied: An ihrem Sportschuh blinkt ein pinkfarbener Schnürsenkel, ihr Erkennungsmerkmal. „Ich habe keine Angst vor meinen Gegnern, aber arrogante Tussis muss ich einfach besiegen,“ sagt die Schülerin, bevor sie sich bereit macht. Doch bei diesem Turnier hat es nicht für den Sieg gereicht. Den ersten Platz belegte Marike Wegener aus Jena. Potratz unterlag in der Finalrunde ihrer Gegnerin Katharina Nettersheim vom SC Berlin. Die Niederlage ändert jedoch nichts an ihrem ersten Platz in der Rangliste in Sachsen. Der ist ihr weiterhin sicher. Im Mannschaftswettbewerb gingen die Schkeuditzer gestern als Sieger hervor.

 
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