Taucha. Einmal im Jahr wird das Rittergutschloss zur Rockarena: Fast ein Dutzend Bands gaben sich am Sonnabendnachmittag erst beim Nachwuchsfestival die Mikrophone die Hand, bevor bei der Rocknacht am Abend der Highway to Hell zu vier rockenden Rosen führte.
Die Schuluniform mit den kurzen Hosen, die Gibson SG-Gitarre, das Basecap, das ständige Kopfwippen und der höllisch scharfe Sound aus dem großen Marshall-Turm: Dennis Young ist verdammt nah dran an seinem körperlich auch nicht größeren Vorbild Angus Young von AC/DC. Mit rauchendem Schulranzen rockt er auf den Schultern eines Roadies durchs Publikum, wälzt sich auf dem Boden und spielt weiter, macht gar einen Striptease und zeigt allen das AC/DC-Tattoo auf seinen blanken Backen – was Wunder, dass das Publikum vor lauter Staunen kaum den Mund frei bekam, um die bekannten Hits mitzugrölen.
So versuchte Sänger Shorty Le Bon, übrigens genauso nah dran an seinem Vorbild, dem 1980 verstorbenen Bon Scott, denn auch immer wieder, die mehr als 600 Besucher zum Singen zu bringen – mit mäßigem Erfolg. Die Zuschauer wollten lieber das AC/DC-Kino genießen, als Teil davon werden. Die ersten paar Reihen hartgesottener Hardrock-Fans schüttelten ihre Mähnen, der Rest staunte, wippte mit den Füßen und nippte am Bier. Dabei blieb es dann auch, selbst nachdem bei den Zugaben der Highway to Hell mitten aufs Rittergutsschloss führte, Dennis Young vor lauter Anstrengung fast zusammenbrach. Große Show mit schreiend lauter Gitarre.
Ein hoher Suchtfaktor zeichnet dagegen die Four Roses aus. Alle Jahre wieder spielen sie zur inzwischen schon neunten Rocknackt bekannte Rock- und Pophits auf ihre Art, das Publikum kommt trotzdem – und ist begeistert wie Winfried Schladitz: „Ich bin jedes Jahr hier." Oder Frank Stachowitz, der privat auch Schlagzeug spielt: „Die Rocknacht ist einfach Pflicht, ein Muss jedes Jahr." Oder Lothar Escherlohr, dem Bon gut gefiel: „Hervorragend, eine tolle Performance, fast wie das Original."
Die Four Roses waren großteils sogar noch besser – weil sie Hits wie „Whiskey in the Jar" oder „Message in a Bottle" ihren Stempel aufdrückten, sie sozusagen „einrosten" und dabei die Patina vergangener Tage mit ihrem Modern-Rock-Sound ersetzten: Bassist Ingo und Schlagzeuger Henri legen dabei so ein festes Rhythmus-Gerüst, dass Gitarrist Flecke darüber brillieren kann und Sänger Rose mit Charme und Show das Publikum verzückt.
Den Auftakt des Abends machte Audio.Appeal aus Leipzig. Die junge Gruppe hatte im Vorjahr den Bandcontest gewonnen, so wie in diesem Jahr RSEminence aus Leipzig mit ihrem Pop-Rock rund um Piano, Schlagzeug und Querflöte. Tobias Meier vom Kunst- und Kulturverein Taucha moderierte den mehrstündigen Wettstreit, der schon am Mittag begann. Das Niveau sei insgesamt höher als im Vorjahr gewesen, so seine Meinung. Die Gruppe Smashed, bei der auch Tauchaer mitmachten, holte den vierten Platz – und mit dem Sonderpreis für den besten Sänger auch eine Studioproduktion.