Taucha
Betreuungszeiten in Kitas: Stadt sieht „keinen Handlungsbedarf“
Jörg ter Vehn
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Für Alleinerziehende ist es oft gar nicht so leicht, neben der Kinderbetreuung auch noch arbeiten zu gehen. Taucha sieht aber derzeit keinen Grund, sein Betreuungssystem zu ändern.
Taucha. Für eine Neuregelung der Betreuungszeiten in den Tauchaer Kitas gebe es keinen Handlungbedarf, sagte gestern Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD) und bezog damit Stellung gegen eine Gruppe von Eltern. Er kündigte gleichwohl an, dass für die Mehrbetreuung der Kinder in den Horten während der Sommerferien eine für die Eltern günstigere Lösung gefunden werden könne.
Wie berichtet, hatten Eltern angeregt, wegen langer Fahrten zur Arbeit und flexibleren Arbeitszeiten auch eine reguläre Betreuung ihrer Kinder über die maximalen neun Stunden pro Tag in den Kitas per Satzung zu ermöglichen. In Leipzig etwa gebe es Zehn- und sogar Elf-Stunden-Verträge, warum nicht in Taucha, fragten sie.
Stadträte trugen das Thema in den zuständigen Ausschuss. Der habe sich informiert und die Fakten geprüft, so Bürgermeister Holger Schirmbeck gestern. „Von den Ausschussmitgliedern wird derzeit kein Handlungsbedarf erkannt“, fasste er zusammen. Prinzipiell sei eine Mehrbetreuung über neun Stunden am Tag hinaus ja möglich. Es sei aber eigentlich nicht die Regel, dass ein Kind länger als diese Stunden in einer Einrichtung bleibe. Im ersten Quartal seien in allen acht Kitas 50 Mehrbetreuungsstunden zusammengekommen, so Schirmbeck. Darunter seien aber auch Eltern, die anstelle von sechs ihr Kind mal sieben Stunden in der Einrichtung lassen mussten.
Schirmbeck warb darum, bei Problemen den Weg zur Stadt zu finden und im Gespräch nach Lösungen zu suchen. „Bislang haben wir immer eine gefunden“, erklärte er. Gleichwohl werde es am Ende immer darum gehen, wer die Extrakosten dieser Betreuung trägt. Denn der Landeszuschuss sei nur bemessen für eine maximale Betreuung von neun Stunden, darüber hinaus gehende Aufwändungen müssten Eltern und Stadt allein tragen.
In den Horten gebe es in den großen Ferien allerdings tatsächlich Probleme, sagte er. Dort werden derzeit Eltern mit zwei Euro je Stunde extra zur Kasse gebeten, wenn sie ihr Kind länger als die maximal vorgesehene Zahl von sechs Stunden am Tag betreuen lassen wollen. Dort solle in den Sommerferien wieder die Regelung eingeführt werden, dass Eltern in diesen Fällen wählen, ob sie den 1,5-fachen Betreuungssatz oder die Extrastunden zahlen.
Elternvertreter kündigten gestern an, selbst den Bedarf einer Mehrbetreuung zu ermitteln. „Man versteht uns bei der Stadt nicht“, sagte etwa Peter Gutzeit, Elternratsvorsitzender der Regenbogenschule. Dort muss etwa der Hort in den Ferien um 16 Uhr schließen – wenn viele Eltern noch arbeiten müssen. Eine Mutti der Kita St. Moritz erklärte, dort hätten schon 18 Eltern unterschrieben, seien für eine reguläre Längerbetreuung. „Der Bedarf ist da“, sagte sie. Im Gespräch ist auch die Gründung eines Stadtelternrates, um sich gegenüber der Verwaltung besser artikulieren zu können.
© LVZ-Online, 19.04.2012, 11:56 Uhr