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Taucha

Dietmar Bock sammelt alles zum Thema Bockbier

Taucha. „Sammler sind glückliche Menschen“, soll Goethe mal gesagt haben. Auch wenn ihm dieses Zitat nicht hundertprozentig nachgewiesen werden kann, lässt sich an der Richtigkeit dieser Feststellung nicht zweifeln – wenn man Dietmar Bock kennt. Der Tauchaer sammelt alles zum Thema Bockbier. Und ist damit nicht nur glücklich, sondern bleibt auch ganz gelassen.

„Deutschlands erstes privates Bockbiermuseum“ steht an der Tür des ausgebauten Kellers eines Tauchaer Einfamilienhauses. Hinter dieser Tür mit dem unscheinbaren Satz verbirgt er sich, der Bockbier-Schatz von Dietmar Bock. Flaschen, Büchsen, Plakate, Bierdeckel, Etiketten – kurz gesagt: Sämtliche Werbemittel rund um den starken Gerstensaft. „Das Ganze fing in den 70ern an. Damals habe ich begonnen, mich mit Bier im Allgemeinen zu beschäftigen. Von Bierflaschen aller Sorten weichte ich die Etiketten ab, bewahrte sie in Alben auf“, so der heute 59-Jährige. Dann weitete er seine Sammelleidenschaft auf Bierdeckel und Kronkorken, Werbekarten und anderes aus. Waren es zuerst nur Sorten der DDR, kamen später immer mehr Länder dazu. „Ich schrieb Brauereien auf der ganzen Welt an. Interessanterweise kam aus der damaligen BRD nicht viel an, dafür von weiter her. Aus Australien beispielsweise. Die Original-Briefkuverts habe ich heute noch“, erzählt Bock stolz.

Irgendwann drohte ihm seine Sammlung zu groß zu werden. „Also suchte ich ein Spezialgebiet und konzentrierte mich nur auf Bockbier. Dabei kann ich nicht mal sagen, dass ich das besonders gern trinke. Hauptsächlich ist es wohl einem Artikel in der LVZ zu verdanken. Damals stand dort etwas über das 'Bier mit dem Bock'. Und natürlich war es mein Nachname, der treffend passte“, schmunzelt der Vorruheständer. Nach der Wende eröffneten sich dem einstigen Einkäufer bei einem Gasversorgungsunternehmen ganz neue Möglichkeiten. „Ich wurde Mitglied im FvB, dem Förderverein für Brauwerbemittel. Fortan war ich angeschlossen an westdeutsche Sammlern, die mir so manche Rarität verschafften“, erinnert sich Bock.

Als er mit seiner Frau Anette 1995 von Leipzig nach Taucha zog, keimte in Dietmar Bock die erste Idee vom Bockbiermuseum. Regale für Flaschen, Dosen und Gläser wurden gebaut, Plakate aufgehangen und sämtliche Informationen über Brauereien und Bockbiersorten in Ordner geheftet. Wie viele Bierflaschen er hat, weiss Bock nicht. „Ich bin kein fanatischer Sammler, der unbedingt alles haben muss, sondern bleibe ganz gelassen dabei. Umso mehr freue ich mich, wenn ich auf einer Tauschbörse mal eine Rarität entdecke. Ich weiss nur, dass ich vor drei Jahren mal 6000 Etiketten von 1300 deutschen Brauereien hatte. Mittlerweile dürften das einige mehr sein“, überlegt er. Bemerkenswert findet der Tauchaer, dass es quasi auf der ganzen Welt Bockbier gebe. „Ich habe Exemplare aus Afrika, Südamerika und Kanada. Die am weitesten gereiste Dose stammt aus Sao Paolo in Brasilien.“ Interessenten würden bei ihm ständig 30 Sorten Bockbier zum Kosten vorfinden, wenngleich sein Museum nicht öffentlich ist. „Bekannten oder Freunden öffne ich mein Reich gern, einen Besucherservice hier im heimischen Keller einzurichten ginge dagegen ein wenig zu weit“, meint der Sammler. Er kann sich vorstellen, seinen Schatz in einer Art Daueraustellung zu zeigen. Bislang habe sich aber noch keine entsprechende Möglichkeit in Taucha oder Leipzig ergeben, so Bock.

Neben den Bieren selbst interessiert sich Bock auch zunehmend für deren Geschichte. Sorge bereitet ihm das Brauereisterben der vergangenen Jahre, das nicht nur im Osten Deutschlands um sich greife. „Ich besitze Material von Brauereien, die es gar nicht mehr gibt“, sagt er. In seinen Ordnern befinden sich zahlreiche Beispiele erloschener Brauhäuser. Umgekehrt entstehen aber auch immer wieder neue Bockbiersorten. Die Privatbrauerei Schwerter Meißen habe 2009 erstmals wieder einen Jahrgangsbock gebraut. „Innerhalb von 14 Tagen waren alle Flaschen ausverkauft“, weiß Dietmar Bock.

Seine Frau toleriert das bierige Hobby. „Sie interessiert sich nicht dafür, steht mir aber auch nicht im Wege. Im Urlaub geht sie beispielsweise eine Runde mit dem Hund, wenn ich mir eine Brauerei ansehe. Das klappt ganz gut“, beschreibt er.

In fünf bis zehn Jahren sieht der Tauchaer seine Sammlung „auf Sparflamme ergänzt“, vor allem um historische Gesichtspunkte und die Namensgeschichte verschiedener Biere. Fehlt eigentlich nur noch ein Buch über das Bockbier. „Das könnte ich mit meinem Wissen sicher schreiben, aber dazu gibt es bereits viele“, sagt er. Viel lieber bleibe er ein entspannter und glücklicher Sammler, der sich über seine Raritäten freut.

 
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