Taucha
Domizil-Ausbau scheitert: Leiser Rückzug vom Schloss
Jörg ter Vehn
Foto: Jörg ter Vehn
Soll eigentlich Domizil für Vereine werden: das Tauchaer Rittergutsschloss.
Taucha. Zusammen mit den Tauchaer Vereinen will die Stadt Taucha ihr Rittergutsschloss entwickeln. So sieht es das städtische Konzept vor. Doch außer dem Spielmannszug hat dort noch keiner ein festes Quartier. Jetzt springt auch noch der Heimatverein ab, der dort Räume ausbauen wollte.
Vor gut zwei Jahren war es, als Heimatvereinsvorsitzender Steffen Pilz auf Nachfrage Räume im Schloss angeboten bekam. Haus vier, gleich neben dem gut ausgebauten Domizil des Spielmannszuges gelegen, sollte es werden. Pilz schmiedete Pläne, sprach mit Sponsoren, wollte schnell Klarheit, was dort getan werden musste. Dann sei lange nichts geschehen, erzählt er. Irgendwann habe ihm die Stadt mal das neue Brandschutzkonzept gegeben, sonst sei von dort nicht viel passiert.
Inzwischen sei klar, dass der Verein rund 130 000 Euro ausgeben müsste, um die Räume herzurichten. Das Dach sei zwar gemacht, „aber die alten Dielen darunter sind nichts mehr, müssten erneuert werden“, erklärt er. Das alles sei nicht wie geplant in Eigenleistung zu schaffen, letztlich habe der Verein daher die Notbremse gezogen, schaue sich intensiv nach einer anderen Bleibe um. Seit Mitte der Neunzigerjahre gebe es den Heimatverein. „Wir haben bis heute keinen eigenen Raum und können nicht noch zehn Jahre warten“, erläutert er den Hintergrund.
Der Schlossverein, rührigste Gruppierung auf dem Areal, werde den Pachtvertrag für die Kulturscheune ebenfalls nicht verlängern, kündigte Vorsitzender Jürgen Ullrich an. Ende August laufe regulär die Pacht aus. Der Verein sei darüber gar nicht so böse, erklärt er. Wie berichtet, sind in der Kulturscheune größere Investitionen nötig, um sie als regulären Veranstaltungsraum nutzen zu können. „Nach unserer Schätzung kostet die Innendämmung des Daches allein 75 000 Euro“, gibt Ullrich zu bedenken. Derzeit sind wegen des Lärmschutzes private Partys, die die Vereinskasse früher füllen halfen, untersagt. Der Verein werde in Absprache mit der Stadt Nutzer der Kulturscheune bleiben, könne seine Veranstaltungen durchziehen, aber ohne die Pflichten eines Pächters.
„Der Heimatverein wäre ein schöner Verein für das Schloss gewesen“, bedauert Bürgermeister Holger Schirmbeck die Absage. Sie rüttele aber nicht grundsätzlich am städtischen Konzept für das Schloss. Das habe als weitere Option auch noch Kunsthandwerk und als großes Ziel auch Gastronomie auf dem Schloss. Von aktuellen Anfragen wisse er jedoch nichts.
„Wir haben von vornherein gesagt, dass es keine schnelle Lösung geben wird“, so der Stadtchef. Er setze auf viele kleine Schritte. Nach der Sanierung des Bürgerhauses und dem Brandschutzkonzept sei der nächste kleine Schritt die Nutzungsänderung der Kulturscheune zur Veranstaltungsstätte. Der Antrag dazu sei in der Endbearbeitung.
© LVZ-Online, 27.04.2012, 15:40 Uhr