Taucha
80 Jahre und kein bissel leise: Harry Künzel erhält Kunstpreis für sein Lebenswerk
Jörg ter Vehn
Foto: Jörg ter Vehn
Für Lebenswerk geehrt: Hans-Jürgen Rüstau (links) vom Kunst- und Kulturverein Taucha übergibt den Kunstpreis an Harry Künzel.
Taucha. Im Café Esprit blieb am Sonntagabend kein Fuß still und kein Auge ungerührt. Alles swingte. Grund für die viele Bewegung war Harry Künzel, der unter dem Motto „80 Jahre und kein bissel leise“ eingeladen hatte.
Künstlerin Anne Bohrmann war im vorigen Jahr bei einer solchen zu Gast im Café. Die Musik habe sie zu Bildern inspiriert, erklärte Hans-Jürgen Rüstau vom Kunst- und Kulturverein. Die dazugehörige Ausstellung in dem kleinen Kulturtreff war am Vormittag eröffnet worden. Lauter fröhlich-bunte Bilder, in denen sich vieles dreht - und in denen fast immer ein Hut vorkommt.
Foto: Jörg ter Vehn
Schelm und begnadeter Musiker: Harry Künzel in seinem Element.
So ein flacher aus Bast, wie ihn Harry Künzel üblicherweise zum Konzert trägt. Wie auch an diesem Sonntag, an dem der erst vor wenigen Tagen 80 Jahre alt gewordene Musiker und Lehrer erst noch eine Rede über sich ergehen lassen musste. Denn der Kunst- und Kulturverein Taucha zeichnete ihn für sein Lebenswerk aus, Künzel wurde der erste Preisträger des Kunstpreises (die LVZ berichtete). „Bedanken werde ich mich nachher ausführlich. Jetzt will ich erstmal ein bisschen Musik machen“, sagte der Überraschte.
Was folgte, war eine zweistündige Tour durch Swing und Jazz aus Künzels Lern- und Lehrzeit, immer wieder durchsetzt durch seine Anekdoten. Etwa die der Mendelssohn-Rhythmikern, die damals als Band verbotenen Jazz spielte und bei denen ein gewisser Kurt Masur das Cello als Bassersatz zupfte. „Wir hatten ja nichts“, meinte Künzel über die Nachkriegszeit.
Aber Künzel ist mehr als ein beseelter Unterhalter. Er ist vor allem ein hervorragender Musiker, was er an diesem Abend an Klarinette und Saxophon zum Halbplayback unter Beweis stellte. Ob „C-Jam-Blues“, Gershwins „Summertime“, „Moonlight Serenade“ oder „In the mood“ von Benny Goodman: Der 80 Jährige hat noch immer einen tollen Ton – und swingt!
Foto: Jörg ter Vehn
Der gläserne Kunstpreis des Kunst- und Kulturvereins mit Widmung.
Hans und Bärbel Stemmler waren genau deshalb gekommen. Silvia Model ebenso, allerdings als eine Schülerin von Harry Künzel. Sie lerne bei ihm Saxophon, sei auch beim Singekreis Hohenheida dabei, erzählte sie. Andreas und Martina Forchert kennen Künzel noch länger: „Er war Ende der 60er Jahre unser Musiklehrer“, erzählte Andreas Forchert. „Bei ihm habe ich in der ersten und zweiten Klasse auf der 11. Oberschule in Mockau Blockflöte gelernt“, erzählte sie.
© LVZ-Online, 29.04.2012, 19:09 Uhr