Wurzen
Ab 2012 kein Geld mehr für Macherner Park
Simone Prenzel
Machern. Das Szenario kursierte schon einmal in Machern: Schafe und
Ziegen sollten nach Meinung externern Gutachter den Macherner
Landschaftspark pflegen. Wenn wahr wird, was der Kulturraum plant, muss
diese Sparvariante wieder ernsthaft befürchtet werden.
Zugewachsene
Wege, von Unkraut überwucherte Gartenszenerien und Vandalismusschäden,
um die sich niemand mehr kümmert – das alles könnte Realität werden,
wenn die Entscheidung des Kulturraumes Leipziger Raum ab 2012 greift.
„Der Konvent des Kulturraums hat kürzlich in Borna eine neue
Förderrichtlinie beschlossen“, informierte Macherns Bürgermeister Frank
Lange. „Demnach sieht es für unseren Park trübe bis finster aus.“ Ab
dem Jahr 2012 soll es für das gärtnerische Kleinod keinerlei Zuschüsse
mehr geben. Lange: „Alle Gärten und Parks fallen künftig durchs
Raster.“ Das Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung werde dabei
gleichgesetzt unter anderem mit Guggemusik oder geselligen Tanzabenden,
deren Macher ebenfalls keine Unterstützung mehr erwarten dürfen.
Letztmalig soll es noch 2011 die Hälfte der bisherigen Zuschüsse für
Parks und Gärten geben. „Das hieße in unserem Fall, dass wir im
nächsten Jahr noch einmal rund 24 000 Euro vom Kulturraum bekommen,
danach gar nichts mehr.“
Schon jetzt würden die Gelder kaum
ausreichen, den vor über 200 Jahren von Reichsgraf Carl Heinrich August
von Lindenau angelegten Landschaftspark zu pflegen. Erst vor wenigen
Tagen verunstalteten Vandalen wieder mehrere Plastiken (LVZ
berichtete), darunter die Denkende Muse und den griechischen Gott
Apollo. „Wie wir solche Schäden künftig beheben wollen, ist mir ein
Rätsel“, so Lange. Insgesamt koste die Parkunterhaltung jährlich rund
80 000 Euro, etwas über die Hälfte zahle der Kulturraum, den Rest trage
die Kommune.“ Lange sieht keine Lösung, wie die wegfallenden Gelder in
Zukunft kompensiert werden sollen.
„Ich bin maßlos enttäuscht“,
nimmt der Ortschef kein Blatt vor den Mund – insbesondere auch von
Landrat Gerhard Gey, der den Vorsitz des Kulturraum-Konvents innehabe.
Offenbar habe die Gartenkultur in den entscheidenden Gremien keine
Lobby gehabt.
Seit der Wende seien erhebliche Gelder in die
Wiederherstellung des Parkes, so wie ihn Gartenarchitekt Ephraim
Wolfgang Glasewald einst schuf, geflossen. Verschiedene Parkszenerien
wurden nacheinander wieder zu neuem Leben erweckt – nicht zuletzt dank
unermüdlichen Einsatzes des Fördervereins. Nun wolle man das
Geschaffene offenbar dem Verfall preisgeben, kritisiert Lange. Er
verweist darauf, dass der Park nicht nur ein Aushängeschild für die
Gemeinde, sondern den gesamten Landkreis ist.
Unklar sei derzeit
auch noch, ob auch andere Macherner Projekte um ihre Existenz bangen
müssen. Auf Zuschüsse angewiesen waren bisher neben dem Park das Museum
im ehemaligen Stasi-Bunker und der Kulturverein Schloss Machern.
„Bisher gab es hier Zuschüsse des Kulturraums, auch wenn wir als
Gemeinde keine Gelder beisteuern konnten. In Zukunft soll nur noch Geld
fließen, wenn auch die jeweilige Gemeinde die Projekte finanziell
unterstützt. Das aber können wir nicht.“
© LVZ-Online, 17.03.2010, 12:23 Uhr