Wurzen
Brandis entfernt Nazi-Aufkleber
Simone Prenzel
Brandis. Demokratiefeindlichen Aufklebern und Schmierereien soll es am 6. Mai in Brandis an den Kragen gehen. Motto der Aktion: „Brandis fegt Hass und Gewalt in die Tonne."
Das örtliche Forum gegen Extremismus und Gewalt, im Herbst vorigen Jahres entstanden, ruft zu diesem besonderen Frühjahrsputz auf. „Wir wollen gemeinsam rechte Parolen und menschenverachtende Aufkleber aus dem Stadtbild entfernen", kündigte Sprecher Markus Bergforth an. Die Stadt habe bekanntermaßen ein Problem mit rechtsextremen Strukturen. Nach dem Überfall auf das Spiel von Roter Stern, als rechte Schläger Brandis in die Schlagzeilen brachten, habe eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema eingesetzt, berichtet der 45-Jährige. Vor Tatsachen wollen Stadträte aller Fraktionen und demokratische Kräfte deshalb nicht länger die Augen verschließen. Es gebe in Brandis eine rechte Szene mit einschlägigen Treffpunkten, deren Mitglieder teilweise überregional vernetzt sind. Dies ergab eine Analyse des Kulturbüros Sachsen, das die Stadt seit zwei Jahren bei der Stärkung bürgerschaftlichen Engagements gegen Extremismus und Gewalt unterstützt. „Mit der Aktion am 6. Mai wollen wir ein erstes Zeichen für den Willen der Brandiser Bürger für eine soziale, sichere und weltoffene Stadt setzen. Die breite Bürgerschaft von Brandis", bekräftigt der Forumssprecher, „hat mit rechtsextremem und demokratiefeindlichem Gedankengut nichts am Hut." Nazi-Aufklebern und anderen Parolen ist man deshalb am Sonntag gezielt auf der Spur. Sie finden sich überall im Stadtbild – an Laternenmasten, Papierkörben, Häuserwänden. Es dürfe nicht länger normal sein, dass sich einige wenige zu ihrer rechtsextremen Gesinnung offen bekennen und die Mehrheit zuschaut, findet Bergforth. „Brandis ist anders, die Bürger sind anders – und das wollen wir zeigen." In dem Aufruf zur Aktion heißt es: „Der Herbst 1989 repräsentiert den Drang der Menschen nach Demokratie und Freiheit. Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, dass keine menschenverachtenden und antidemokratischen Mitbürger, Gruppierungen und deren Gedankengut das Stadtbild von Brandis prägen." Und weiter: „Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Klima ohne Angst aufwachsen können." Am nächsten Sonntag hofft das Forum, in dem sich neben Bürgermeister Andreas Dietze und weiteren Stadträten auch Vertreter von Vereinen, Schulen und Bürger engagieren, auf möglichst viele demokratisch gestimmte Putzteufel.
© LVZ-Online, 30.04.2012, 13:49 Uhr