Borsdorf/Panitzsch. Wo sonst Lehrlinge und gestandene Praktiker büffeln, stehen seit dieser Woche Sachkunde oder Deutsch auf dem Stundenplan. „Mit der Ankunft der Panitzscher Grundschüler wurde unser Programm natürlich etwas durcheinander gewirbelt", gestand gestern Hans-Peter Schmidt, Leiter des Borsdorfer BTZ. Alle seien jedoch bemüht, aus der Situation das Beste zu machen.
„Wir sind dabei, uns einzuleben", zieht Schulleiterin Dagmar Eppendorfer ein erstes Fazit. Ein großes Kompliment macht sie dem Gastgeber. „Das BTZ tut wirklich alles, dass wir uns hier wohlfühlen." Die 153 Kinder der Panitzscher Grundschule hatte ein Schwelbrand vor zwei Wochen ihrer gewohnten Umgebung beraubt. Ihr Schulhaus tauschen die acht Klassen bis zum Sommer nun notgedrungen mit dem Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer. „Die Kinder sehen das völlig unkompliziert", berichtet Christa Klarner. Multiplizieren war gestern im Schulcontainer für ihre Schützlinge der 2a angesagt. „Am ersten Tag nach den Osterferien haben wir noch einmal ausführlich über den Brand gesprochen und den Kindern erklärt, warum sie jetzt in Borsdorf lernen", erzählt die Pädagogin. Linda, Vivien und die anderen beugen sich derweil über ihre Matheaufgaben. Improvisieren ist angesagt, schließlich hatten viele Kinder ihre Bücher während des Brandes in der Schule. „Was noch brauchbar ist, wird einer Ozonbehandlung unterzogen", berichtet Bürgermeister Ludwig Martin (CDU). Dies könne allerdings noch zwei Wochen dauern. Nebenan, in der ehemaligen Buchbinderwerkstatt, quetscht sich Ralf Scheler, Präsident der Handwerkskammer, in die Schulbank. „Hinterbein wird aber nicht mit ie geschrieben", gibt er einem verdutzten Zweitklässler mit auf den Weg, der mit Klassenlehrerin Juliane Sporreuter gerade das Rind und dessen Körperaufbau durchnimmt. Der Chef der Handwerkskammer ist ebenfalls voll des Lobes über die schnelle Reaktion des BTZ: „In so einer Ausnahmesituation helfen wir gern. Außerdem kann uns gar nichts Besseres passieren als so viele neugierige Kinder, die hier ganz nebenbei die Vielfalt der Handwerksberufe kennenlernen." Weitere Ideen, wie man aus der Not eine Tugend macht, gibt es bereits. Der fehlende Werkunterricht könne zum Beispiel durch Besuche in der Malerwerkstatt kompensiert werden. Und für interessierte Eltern schlug Präsident Ralf Scheler spontan einen ungezwungenen Grillabend auf dem Gelände vor – zum Kennenlernen des neuen Umfeldes für den Nachwuchs.