Wurzen
Netzwerk für demokratische Kultur attackiert Wurzener Stadtoberhaupt
Kai-Uwe Brandt
Foto: Andreas Röse
Netzwerk-Mitarbeiter Stephan Meister schreibt im druckfrischen Newsletter des NDK in seinem Editorial über Oberbürgermeister Jörg Röglin, er sei eine „Fehleinschätzung“.
Wurzen. Nun ist die Katze aus dem Sack: Mit harschen Worten hat das Netzwerk für demokratische Kultur (NDK) jetzt Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) angegriffen. Im druckfrischen Newsletter des NDK, der im Internet unter www.ndk-wurzen.de steht, schreibt Netzwerk-Mitarbeiter Stephan Meister in seinem Editorial über Röglin, er sei eine „Fehleinschätzung". Die erste Reaktion des Amtsinhabers: „Ich bin entsetzt, mit demokratischer Kultur hat dies nichts zu tun."
Die Attacke des NDK ist mittlerweile der vorläufige Höhepunkt im Streit um den Kunstwettbewerb für das Gefallenendenkmal auf dem Alten Friedhof, den das Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus initiierte. Der Allianz gehören übrigens das NDK wie auch Röglin an. Allerdings scheinen sich die einstigen Partner nunmehr selbst zu demontieren. Zitat aus dem Text Meisters: „Insbesondere müssen wir ebenfalls feststellen, dass wir mitgeholfen haben, einen Oberbürgermeister Röglin in das Amt zu bringen, bei dem wir davon ausgingen, er würde das Problemfeld der demokratischen Kultur zu seinem machen. Dies war leider eine Fehleinschätzung." Vielmehr, so Meister weiter, sei das Neonazi-Problem in Wurzen durch Röglins „Verhalten der Meinungs- und Haltungslosigkeit eher wieder gewachsen". Doch nicht allein das Stadtoberhaupt gerät in den Fokus des NDK: „Wurzen lebt mit einer schweigenden Menge von Menschen, von denen keiner weiß, was sie wirklich über neonazistische Umtriebe denkt."
Bislang, so der 42-jährige Oberbürgermeister, habe er gedacht, mit dem Bündnis auf gutem Weg zu sein. Doch mit dieser NDK-Tirade werde die Zusammenarbeit „nicht gerade leicht gemacht". Zudem trage das Netzwerk mit der jüngsten Entgleisung nicht dazu bei, das Image Wurzens nach außen aufzuwerten. Röglin verurteilt überdies die „Stigmatisierung der Wurzener Bevölkerung" nach dem Motto: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" Persönlich sei er „entsetzt" über Stil und Form der Auseinandersetzung. „Ich jedenfalls nehme für mich in Anspruch, etwas getan zu haben", kontert er den Vorwurf der Meinungs- und Haltungslosigkeit des Autoren. An die Adresse des NDK gerichtet und im Bezug auf die Vorwürfe gegenüber den Wurzener Bürgern bemüht Röglin ein Gleichnis: „Wenn eine Klasse angeblich über Jahre stets und ständig Fünfen schreibt und der Lehrer deswegen jedem gegenüber behauptet, die Klasse sei schlecht, dann sollte er sich endlich einmal fragen, welche Schuld er vielleicht daran trägt." Wie es in Zukunft mit dem Bündnis weitergeht, weiß der Stadthaus-Chef im Moment nicht zu sagen. Durch die derzeit bedauerliche Entwicklung werde eine Zusammenarbeit allerdings keineswegs leichter gemacht. Daher empfiehlt er dem NDK, sich zurückzunehmen und darüber nachzudenken, ob diese Streitkultur der richtige Weg ist.
© LVZ-Online, 09.06.2012, 05:00 Uhr