Wurzen. Die Geschäftsführung der Leuchten Manufactur (LMW) hat dem Wurzener Stadtrat und dem Oberbürgermeister ein neues Angebot gemacht und ihre Entschädigungsforderungen reduziert. Ein entsprechender Brief wurde gestern den Fraktionsvorsitzenden und der Stadtspitze zugestellt. Die Adressaten reagierten aber zurückhaltend.
Der Ton ist konziliant. LMW-Geschäftsführer Alexander Kögel versucht in dem zweiseitigen Brief die Situation zwischen allen Beteiligten zu entschärfen, die seit seinem Auftritt im Wurzener Stadtrat deutlich angespannt war. Nicht wenige Ratsherren und -frauen hatten Kögel die Art und Weise übelgenommen, wie er auf ihre Fragen
antwortete. In sechs Punkten legt Kögel nun seine neueste Verhandlungsposition dar. Diese unterscheidet sich in einem gewichtigen Punkt. Während Kögel noch vor kurzem auf einer Entschädigung in Höhe von 3,55 Millionen Euro für sein Unternehmen aufgrund des Umzugs bestand, der durch einen „städtebaulichen Missstand"
(siehe Text unten) notwendig werden würde, fällt diese Summe nun geringer aus. „Im gegenseitigen Einverständnis" sollte die Entschädigung auf 2,25 Millionen Euro reduziert werden. Doch Kögel hat auch Forderungen. Die zwei zentralen lauten: „1. Die Stadt akzeptiert den städtebaulichen Missstand nach Paragraf 136 BauGB (Anmerkung der Redaktion: Baugesetzbuch) im Badergraben im rechtskräftig ausgewiesenen Sanierungsgebiet. 2. Beiden Seiten verzichten aus Zeit- und Kostengründen auf Gegengutachten, insbesondere zur Abwehr einer Existenzgefährung der LMW."
Im Rest seines Briefes bestärkt der LMW-Geschäftsführer seine bisherige Auffassung: Demnach würde die Stadt der LMW ein neues Grundstück im Wert von 750 000 Euro umsonst überlassen und die bisherigen Räumlichkeiten für einen symbolischen Euro abkaufen. Die LMW stellt dafür in Aussicht, einen neue Manufaktur mit eigene Mitteln zu bauen. „Ergänzend dazu reinvestiert die LMW sofort und ausschließlich die gezahlte Entschädigung von Land und Bund zur Wiederherstellung der untergegangenen Betriebseinrichtungen aus dem Badergraben am neuen Standort in Wurzen", schreibt Kögel.
Die Fraktionsführungen im Wurzener Stadtrat reagierten gestern zurückhaltend auf die neue Offerte von Seiten der LMW. „Ich sehe keinen großartigen Unterschied zu den Aussagen, die Herr Kögel im Stadtrat getätigt hat", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Rieder. „So ist der finanzielle Anteil der Stadt an der Entschädigung beispielsweise gleich geblieben." Dennoch sah er es positiv, dass Kögel abermals seine Gesprächsbereitschaft signalisierte. Ähnlich äußerte sich Viola Heß, Vorsitzende der Fraktion Bürger für Wurzen. Sie hoffe, dass noch eine Lösung mit der LMW gefunden werden, sagte sie: „Ich wünsche mir, dass das Unternehmen in Wurzen bleibt, dass eine für alle verträgliche Lösung gefunden wird."
Kritischer war SPD-Fraktionsvize Peter Konheiser. Er könne nicht nachvollziehen, warum die LMW an einem Tag 3,55 Millionen Euro, am anderen aber 2,25 Millionen Euro fordere. „Mir fehlt die Seriosität", so Konheiser. Die Geschäftsführung müsse belastbare Zahlen vorlegen und ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen klar machen. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Klaus Meißner, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Auch die Stadtverwaltung Wurzen konnte sich bisher noch nicht zu dem Angebot äußern. Das Schreiben sei persönlich an den Oberbürgermeister adressiert, sagte Stadtsprecherin Cornelia Hanspach. Dieser sei zurzeit aber im Urlaub.