Wurzen
Prozessauftakt gegen weiteren Brandis-Schläger
Simone Prenzel
Foto: LVZ (Archiv)
Der Angeklagte als Angreifer: Die Aufnahme, die beim Spiel von Roter Stern in Brandis entstand, zeigt die Attacke mit der Eckfahne.
Leipzig/Brandis. Gegen einen weiteren Brandis-Täter wird seit Donnerstag am Landgericht Leipzig verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft Gabriel S. vor, mit etwa 50 weiteren Angreifern am Überfall auf das Spiel des Roten Stern am 24. Oktober 2009 in Brandis beteiligt gewesen zu sein.
Der Leipziger verbüßt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe. Während die Ermittlungen zu Brandis noch liefen, verurteilte ihn das Landgericht in einem anderen Fall zu über drei Jahren Gefängnis. Mit weiteren Beteiligten hatte Gabriel S. einen Leipziger Wirt und dessen Lebenspartnerin am 9. November 2009 – wenige Tage nach dem Brandis-Spiel – in Markkleeberg brutal überfallen. Mittlerweile, gab der 28-Jährige gestern an, befinde er sich im offenen Vollzug. Die Beweislage für seinen Brandis-Ausflug gilt als ausgesprochen gut. Ein Fotoreporter hatte das Geschehen auf dem „Sportplatz der Freundschaft" damals dokumentiert. Auf mehreren Aufnahmen deutlich zu erkennen: Gabriel S. in der Rolle des Angreifers. Mit der Eckfahne in der Hand stürmte der 28-Jährige das Spielfeld. Ein anderes Foto zeigt, wie er eine Person brutal attackiert. Gabriel S. sei mit dem festen Entschluss nach Brandis gefahren, Anhänger des Roten Stern zu verletzen, lautet der Vorwurf der Anklage. Mit Eisenstangen, Holzlatten, Flaschen und Steinen bewaffnet, hätten die Angreifer Jagd auf die Leipziger Fans gemacht. „Der Angeklagte beteiligte sich an diesen Angriffen", so der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Die Bilanz des gewalttätigen Blitzbesuchs: Vier Verletzte, die Knochenbrüche und Platzwunden erlitten. Ein Fan von Roter Stern, der gestern als Nebenkläger auftrat, wird mit dauerhaften Schäden leben müssen. Seinen Beruf als Bau-Zeichner könne er nicht mehr ausüben, schilderte das Opfer. Eine Gesichtshälfte wurde ihm total zertrümmert, durch den Schlag des Angreifers löste sich die Netzhaut ab. Laut anwesendem Gutachter hat er auf einem Auge nur noch drei Prozent Sehkraft und muss sich demnächst einer weiteren Operation unterziehen. Mit dem Fanbus war der junge Mann damals nach Brandis gereist. „Uns war schon klar, dass auf Grund der Gegend etwas passieren könnte", schilderte der Leipziger im Nachgang. Was aber niemand voraussah, sei ein brüllender Nazi-Mob gewesen, der mit Eisenstangen auf Leute einprügelt und sogar Gefährdungen von Frauen und Kindern in Kauf nimmt. „Irgendwann bin ich dann zu Boden gegangen." Woher oder was ihn genau traf, konnte der Zeuge nicht sagen. Der Angeklagte habe in dem ganzen Geschehen aber eine „sehr aktive" Rolle gespielt. Auch die Fotos sprechen Bände. Nicht umsonst kam Gabriel S. gestern eine dürftige Entschuldigung über die Lippen. Ein Rechtsgespräch verlief ohne Ergebnis. Vier weitere Verhandlungstage sollen erhellen, was an jedem Samstag in Brandis geschah.
© LVZ-Online, 27.04.2012, 14:51 Uhr